Bernie Ecclestone steht reglos da, wie ein Imperator. Sein Gesicht ist der riesigen Bildschirmwand zugewandt, die sein Büro begrenzt, das aussieht wie die Kommandobrücke der Enterprise. Hier, im Bauch eines matt glänzenden Lkw-Anhängers, in der Schaltzentrale der Formel 1, laufen alle Drähte der Grand-Prix-Szene zusammen. Wie bei jedem Rennen steht er auch beim Großen Preis von Ungarn am Eingang des Fahrerlagers. Von draußen dringt der Lärm der rasenden Autos ein, so gut abgedämpft, dass er kaum vernehmbar ist. Der 78-Jährige Ecclestone blickt ruhig auf die flackernde Wand und sieht seinen Jungs beim Fahren im Kreis zu, wie er das seit fast 40 Jahren tut. Er ahnt nicht, dass sich in wenigen Minuten dramatische Ereignisse abspielen, die schließlich in das Comeback von Michael Schumacher münden werden. Dann dreht sich der Herrscher der Formel 1 um: "Sorry, jetzt kann’s losgehen."

Frage: Herr Ecclestone, Sie hatten schon mal bessere Zeiten. Die Zukunft Ihrer Rennserie war lange unsicher, darüber ist Ihre Ehe zerbrochen, dazu das Interview mit den Aufsehen erregenden Hitler-Zitaten. Haben Sie Freunde, mit denen Sie über so etwas reden können?

Bernie Ecclestone: Nicht wirklich. Ich möchte andere Leute nicht mit meinen Problemen belästigen. Die haben sie wahrscheinlich ohnehin nicht verstanden. Oder sie wollen es nicht.

Frage: In dieser Situation braucht man doch einen Freund, der mit einem ein Bier trinkt.

Ecclestone: Ich mache das alles mit mir selbst aus.

Frage: Sie brauchen keine Freunde?

Ecclestone: Das kommt darauf an, was Ihre Definition von einem Freund ist. Wenn man jemanden braucht, ist es kein Freund.

Frage: Ein Freund ist jemand, zu dem man auch in den schlimmsten Momenten kommen kann und der einen dann nicht rauswirft.

Ecclestone: Ich war nie in einer solchen Situation.

Frage: Sie sind einer der mächtigsten und reichsten Männer der Welt. Erlauben Sie sich denn nie, schwach zu sein?

Ecclestone: Nein, nicht wirklich. Ich denke nicht in Kategorien wie Macht oder Stärke. Ich bin wie jeder andere, und mein Job ist wie jeder normale Job in einer Fabrik.

Frage: Aber Sie werden doch anders behandelt als ein normaler Fabrikarbeiter.

Ecclestone: Was mir widerfährt, kann jedem widerfahren. Die Leute unterstützen dich so lange, wie es ihnen nützt.

Frage: Sie kennen nur Leute, die von Ihnen profitieren wollen? Das klingt merkantilistisch.

Ecclestone: Solange Leute profitieren, sind sie glücklich. Ich selbst suche nach gar nichts.

Frage: Angenommen, jemand kommt zu Ihnen, den Sie noch nie gesehen haben: Glauben Sie, dass er etwas anderes von Ihnen wollen könnte als Ihr Geld oder Ihre Macht? Zum Beispiel ein gutes Gespräch?

Ecclestone: Sie reden mit mir, weil Sie Journalist sind und eine Geschichte verkaufen wollen.

Frage: Vielleicht auch, weil Sie interessant sind.

Ecclestone: Vielleicht. Ich sage nur: Menschen haben generell Bedürfnisse, egal welcher Art.

Frage: Also müssten Sie die Menschen eigentlich generell zunächst nach ihren Motiven überprüfen und sie…

Ecclestone: … nicht nah an mich heranlassen? Ich vertraue Menschen generell, bis ich herausfinde, dass ich ihnen nicht trauen kann. Dann ziehe ich mich zurück.

Frage: Sie sagen, Ihr größter Fehler war es, Ihren langjährigen Weggefährten Max Mosley im Stich zu lassen und nach dem Skandal um sein Sexvideo seinen Rücktritt als Präsident des Automobil-Weltverbands Fia zu fordern, weil Ihnen jemanden gesagt habe, er müsse nun zurücktreten.

Ecclestone: Ja. Viele Leute haben mir das gesagt.

Frage: Kann dieser Bruch repariert werden?

Ecclestone: Ich habe ihn nicht im Stich gelassen. Ich habe das gesagt, weil ich dachte, ich müsste das sagen. Trotzdem haben Max und ich eine Beziehung, die eine schrecklich lange Zeit zurückreicht. Wir haben das geklärt, wir sind "good friends". Ich kann Max vertrauen und er mir.

Frage: Aha, ein Freund. Hat er Ihnen vielleicht mit gutem Rat zur Seite gestanden, als sich Ihre Frau von Ihnen scheiden ließ?

Ecclestone: Wir sprechen nicht über solche Dinge.