Die Gefahr einer erneuten Gaskrise in Europa ist offensichtlich abgewendet. Nach langen Verhandlungen einigten sich die Ukraine, die Europäische Kommission sowie internationale Geldgeber am Freitag auf Finanzhilfen in Höhe von bis zu 1,2 Milliarden Euro. Die Kredite durch die Osteuropabank (EBRD), die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Weltbank seien an Reformen des ukrainischen Gasnetzes geknüpft, teilte die Kommission in Brüssel mit, etwa im öffentlichen Beschaffungswesen, in Sachen Transparenz oder der Restrukturierung des staatlichen und undurchsichtigen Versorgers Naftogas.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zeigte sich am Freitag erfreut über die Einigung. Die Vereinbarung könne der Ukraine helfen, ein verlässlicherer Partner bei der Energieversorgung zu werden.

Das diene sowohl der EU als auch den Ukrainern selbst, betonte Barroso. Internationale Banken für die Vergabe von Krediten hatten darauf bestanden, dass der ukrainische Staatskonzern Naftogas zunächst die seit Jahren gezahlten Subventionen bei der Versorgung von Privathaushalten einstellt und heimische Unternehmen zur Zahlung ihrer Rechnungen bringt.

Jetzt ist die Ukraine stark von der Wirtschaftskrise getroffen worden, hoch verschuldet und kann deshalb aus eigener Kraft seinen Zahlungsverpflichtungen für die Lieferung russischen Gases nicht nachkommen. Kurz vor der Einigung hatte die ukrainische Premierminister Julia Timoschenko eine Serie von Reformen sowie einen Zeitrahmen vorgeschlagen.

Die Ukraine ist für Europa das wichtigste Erdgas-Transitland. Etwa ein Viertel ihres Erdgases bezieht die EU aus Russland. Davon werden etwa 80 Prozent durch ukrainische Gaspipelines gepumpt. Zwischen Moskau und Kiew kommt es indes immer wieder zu Streit um Liefermengen oder Finanzen, was auch Folgen für Europa hat. Zuletzt blieben zu Beginn dieses Jahres wegen eines Lieferstopps mehrere Wochen lang vor allem in Ost- und Mitteleuropa tausende Wohnungen kalt.

Nach dem Abkommen will die EBRD 526 Millionen zur Verfügung stellen, um vor dem Winter die unterirdischen Gasspeicher für einen reibungslosen Transit zu füllen und das Pipeline-Netz zu sanieren. Von der Weltbank sollen bis zu 351 Millionen Euro für Strukturreformen in der Ukraine kommen. Die EIB will bis zu 315 Millionen Euro an langfristigen Investitionshilfen zahlen.

Erst am Dienstag hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) der Ukraine bereits den dritten Teilbetrag über 3,3 Milliarden Dollar, etwa 2,4 Milliarden Euro, eines Kreditpakets bewilligt, von der erstmals ein Teil auch für die Gas-Zahlungen an Moskau verwendet werden darf. Die EU-Kommission sieht deshalb eine akute Krise im August, wie vor kurzem noch befürchtet, abgewendet. Kiew muss für die Lieferungen stets im Voraus bezahlen.