Peter Zadek war ein unerschrockener Provokateur des bürgerlichen Bildungstheaters und prägte ein halbes Jahrhundert das Bild der deutschen Theaterlandschaft in der Nachkriegszeit.

Aufsehen erregte Zadek vor allem mit seinen Shakespeare-Inszenierungen. Er arbeitete mit Schauspielern wie Ulrich Wildgruber, Gert Voss, Eva Mattes und Angela Winkler. Zu seinen berühmtesten Inszenierungen gehören Shakespeares Othello mit Wildgruber 1976 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg oder das Holocaust-Stück Ghetto von Joshua Sobol mit Ulrich Tukur 1984 (Hamburg/Berlin).

Zadek wurde 1926 in Berlin geboren als Sohn einer unorthodox-jüdischen Familie. Seine Eltern emigrierten 1933 nach London und danach nach Oxford. Während seiner Ausbildung zum Lehrer entdeckte er das Theater für sich und inszenierte im Alter von 21 Jahren sein erstes Stück: Salome von Oscar Wilde.

1958 nahm er die Einladung des Theaters in Köln an und lernte den Regisseur Kurt Hübner kennen. Mit ihm ging er nach Ulm. Dort sorgte er gleich mit seiner ersten Inszenierung für Aufsehen. Seine Interpretation von Shakespeares Der Kaufmann von Venedig in Ulm geriet in die Schlagzeilen. Wegen der negativen Darstellung des Juden Shylock wurde dem Juden Zadek Antisemitismus vorgeworfen.

Später wechselte Zadek nach Bremen, wo er mit dem jungen Peter Stein zusammen arbeitete. Gemeinsam machten sie die Bremer Bühne zu einer der wichtigsten in Deutschland. In Bremen, Bochum, Hamburg und Berlin war er auch als Intendant tätig.

Peter Zadek war bereits vor einigen Jahren schwer erkrankt. Deshalb zerschlug sich im Frühjahr 2007 auch sein Traum von einer eigenen "Shakespeare-Company". Noch einmal trumpfte der große alte Mann des deutschen Theaters aber 2008 am Hamburger St.Pauli-Theater mit Luigi Pirandellos Parabel Nackt und Anfang Februar 2009 mit George Bernard Shaws Komödie Major Barbara mit einem hochkarätigem Ensemble wie Julia Jentsch, August Diehl und Jutta Lampe in Zürich auf. Die Züricher Inszenierung war wegen seiner Krankheit bereits verschoben worden.

2008 erhielt der Regisseur den Theaterpreis "Nestroy" der Stadt Wien für sein Lebenswerk, Österreichs wichtigsten Theaterpreis.

Bei Kritikern und Publikum war Peter Zadek gleichermaßen erfolgreich. Wie wichtig er war, zeigte sich in den 40 Jahren, in denen Theatertreffen deutschsprachiger Bühnen stattfinden: Zadek wurde mehr als 20 Mal eingeladen.

Zwei Bücher mit Erinnerungen an seine einzigartige Bühnenkarriere konnte er noch selbst vollenden: My Way (erschienen 1998) und Die heißen Jahre 1970-1980 (erschienen 2006).