Als ein "Fest des Heldenmuts" hat Polens Präsident Lech Kaczynski den 65. Jahrestag zum Warschauer Aufstand bezeichnet. Im ganzen Land gedachten die Bürger der zwei Monate andauernden Erhebung gegen die deutsche Besatzungsmacht 1944. Dabei waren zehntausende Menschen, darunter viele Zivilisten, ums Leben gekommen. Der Warschauer Aufstand, der mehr als ein Jahr nach dem ebenfalls niedergeschlagenen Aufstand im Warschauer Ghetto begann, ist für viele Polen eines der wichtigsten Symbole für den Freiheitswillen ihres Volkes.

Trotz der Niederlage könnten die Polen auf dieses Ereignis stolz sein, sagte Kaczynski. Es sei eine Auseinandersetzung um Polens Freiheit gewesen, sagte der Präsident, dessen Vater an den Kämpfen teilgenommen hatte. 

Nach einer feierlichen Wachablösung am Grabmal des unbekannten Soldaten in Warschau, defilierten mehrere hundert Veteranen an der zentralen polnischen Gedenkstätte vorbei. Um 17.00 Uhr, der Uhrzeit, zu der die Kämpfe am 1. August 1944 ausgebrochen waren, sollen in Warschau und anderen Städten Polens die Alarmsirenen heulen. Die Behörden appellierten an die Bürger, für einen Augenblick inne zu halten. Auch im Stadtteil Wola, in dem während der ersten Augusttage rund 40.000 Zivilisten hingerichtet worden waren, finden Gedenkfeiern statt.

Der Warschauer Aufstand von 1944 gilt den Polen als Symbol für den Freiheitswillen ihres Volkes. Mit der Erhebung gegen die deutsche Besatzung am 1. August wollte die nationalpolnische Untergrundarmee die Hauptstadt Warschau aus eigener Kraft befreien. Die Armia Krajowa unterstand der bürgerlichen Exilregierung in London. Die Aufständischen hofften vergeblich auf Unterstützung der Roten Armee, obwohl die ersten sowjetischen Truppen bereits am östlichen Weichselufer standen. Stalin verhinderte sogar Unterstützung durch alliierte Versorgungsflugzeuge.

Der ursprünglich nur für einige Tage geplante Aufstand dauerte 63 Tage an. In Straßen- und Häuserkämpfen kamen vor allem Zivilisten ums Leben. Die deutschen SS-Truppen gingen mit größter Grausamkeit vor. Außer rund 18.000 Menschen, die sich direkt am Widerstand beteiligten, starben rund 180.000 Zivilisten, unter ihnen viele Jugendliche. Nach 63 Tagen mussten die letzten Kämpfer kapitulieren. Warschau wurde in einer Strafaktion systematisch zerstört. Die Überlebenden wurden zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt oder vertrieben.

Im August 1994 bat der damalige Bundespräsident Roman Herzog in Warschau vor dem Denkmal für die Opfer des Aufstandes um Vergebung für durch Deutsche erlittenes Unrecht. Bereits 1943 hatte die Jüdische Kampforganisation (ZOB) während des Aufstands im Warschauer Ghetto vom 19. April bis zum 16. Mai gegen die deutschen Truppen gekämpft. Auch dieser verzweifelte Kampf wurde blutig niedergeschlagen.