Auf diese Bilder hatte das Willy-Brandt-Haus gehofft: Die Sonne scheint, im Hintergrund glitzert das Wasser, am Ufer stehen hohe Bäume, ein Idyll. Und mitten drin Frank-Walter Steinmeier. Der SPD-Kandidat stellt am malerischen Templiner See in Potsdam sein Kompetenzteam vor. So hatte man sich in der SPD-Zentrale den Wahlkampfauftakt vorgestellt, auf diese Szenerie hatte man wochenlang hingearbeitet.

Mithilfe der "Erfahrung und Dynamik" seiner 18 Mitstreiter will Steinmeier in den verbleibenden acht Wochen bis zur Bundestagswahl am 27. September noch den Stimmungsumschwung erzwingen. Von Potsdam soll ein "Aufbruch zum Besseren" ausgehen.

Die SPD lechzt nach diesem Aufbruch, gerade nach dieser bitteren Woche. Nicht der feierliche Wahlkampfauftakt bestimmte seit vergangenen Sonntag die Schlagzeilen, sondern eine vermeintliche oder tatsächliche Dienstwagenaffäre um Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Auch bei der Sonntagsfrage stagniert die Partei, und bei den Beliebtheitswerten ist Steinmeier noch weiter hinter Merkel zurückgefallen. Ein Umschwung in den Meinungsumfragen, die das desaströse Abschneiden der Partei bei der Europawahl Anfang Juni vergessen ließe, lässt weiter auf sich warten.

Dabei muss die Wende dringend kommen, sonst resignieren auch noch die engagiertesten sozialdemokratischen Wahlkämpfer. Sonst glaubt an der Basis irgendwann überhaupt niemand mehr daran, dass die SPD den nächsten Bundeskanzler stellt. Was hilft es da noch, dass der Kandidat überzeugt davon ist, die "besseren Köpfe" und die "besseren Argumente" zu haben?

Steinmeiers Kompetenzteam soll nun mithelfen, diese Botschaften hinaus ins Land zu tragen. Acht Männer gehören dazu und zehn Frauen. In Potsdam überlassen sie dem Kanzlerkandidaten und dem Parteivorsitzenden die Mikrofone. Ein Gruppenfoto gibt es, das muss erst einmal reichen. Im Garten des Hotels haben sich die achtzehn Genossen aufgestellt. Sie lächeln in die  Fotoapparate – und verschwinden wieder im Konferenzzentrum. Fragen sind keine vorgesehen. Stattdessen stehen wenig später einmal mehr Steinmeier und Müntefering den Journalisten Rede und Antwort.

Insgesamt jedoch kann sich das Team sehen lassen, auch wenn kein prominenter Seiteneinsteiger dabei ist, aber das war auch nicht erwartet worden. Mit seinem Schattenkabinett geht Steinmeier kein großes Risiko ein. Nicht nur der Geschlechterproporz wurde eingehalten, auch die Parteiflügel sind hinreichend vertreten. Genossen aus dem Osten sind dabei und welche aus den starken westdeutschen Landesverbänden. Viele bekannte Gesichter sind darunter und einige bislang völlig unbekannte. Da ist zum Beispiel die junge Sozialministerin Manuela Schwesig aus Mecklenburg-Vorpommern, die nun im Bundestagswahlkampf das Feld der Familienpolitik beackern wird. Eine Überraschung ist sicher auch Nominierung von Harald Christ.