Der Kanzlerkandidat der SPD, Frank-Walter Steinmeier, will in den nächsten zehn Jahren wieder Vollbeschäftigung in Deutschland erreichen. "Bis 2020 wollen wir die Arbeitslosigkeit besiegen", heißt es in seinem "Deutschland-Plan", der dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel vorliegt. Mit ihm als Kanzler könnten vier Millionen neue Arbeitsplätze entstehen, kündigte Steinmeier darin an. Die meisten Arbeitsplätze will der Vizekanzler durch die Förderung "grüner" Technologien wie Elektroautos sowie in der Gesundheitswirtschaft, darunter Alten- und Krankenpflege, schaffen. Deutschland solle zum "Silicon Valley umweltschonender Industrieproduktion" werden. Offiziell will Steinmeier seine wirtschaftspolitischen Ziele am Montag in einer Rede in Berlin vorstellen.
 
Der "Deutschlandplan" enthält dem Informationen des Spiegel zufolge außerdem eine "Allianz für den Mittelstand", die Steinmeier direkt im Bundeskanzleramt ansiedeln will und für die Wirtschaft und Gewerkschaften an einen Tisch geholt werden sollen. Der Kanzlerkandidat wolle zudem die Forschungsaktivitäten von Unternehmen steuerlich fördern. Der Staat solle künftig bevorzugt klima- und umweltfreundliche Produkte bestellen. Beabsichtigt sei auch die Gründung einer "Software-Hochschule". Zwischen Politik, Wirtschaft und Künstlern will Steinmeier einen "Kreativpakt" schließen, der sich auch um den besseren Schutz des geistigen Eigentums im Internet kümmern soll.

Steinmeier hatte am Donnerstag sein Team für den Wahlkampf vorgestellt. Verantwortlich für die Wirtschaftspolitik ist darin Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, für den Arbeitsmarkt Arbeitsminister Olaf Scholz. Beauftragter für den Bereich Mittelstand ist der 37 Jahre alte Finanzinvestor Harald Christ (alle SPD).

In der Gunst der Wähler fällt Steinmeier indes immer stärker hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel zurück. Könnten die Deutschen den Kanzler direkt wählen, entschieden sich dem ARD-Deutschlandtrend vom Donnerstag zufolge 60 Prozent für Merkel. Dieses waren drei Prozentpunkte mehr als in der Erhebung Anfang Juli. Für Steinmeier entschieden sich nur 25 Prozent der Befragten (minus zwei Prozent). Der Abstand zwischen den Kontrahenten beträgt damit 35 Prozentpunkte und ist nach ARD-Angaben so groß wie nie zuvor. Auch in der Forsa-Umfrage für das Magazin Stern und den Sender RTL hatte Steinmeier in dieser Woche den schlechtesten Wert seit seiner Nominierung vor elf Monaten erhalten.