SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier zieht mit einem Team aus zehn Frauen und acht Männern in den Bundestagswahlkampf. Der Außenminister stellte sein sogenanntes Schattenkabinett nach einer SPD-Klausur am Donnerstagmittag in Potsdam vor.

"Wir wollen kein einfaches Weiter so. Wir wollen den Aufbruch zum Besseren. Dafür steht unser Programm. Und dafür steht mein Team", sagte Steinmeier. Er ist sich sicher, dass er mit dem "Team Steinmeier" – so der offizielle Titel –  die Wahl für sich entscheiden und seine Konkurrentin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, schlagen könnte: "Die SPD hat den Anspruch, den Kanzler zu stellen und dieses Land kraftvoll und gemeinsam zu gestalten".

Momentan sind die Aussichten dafür allerdings eher gering: Acht Wochen vor dem Wahltermin am 27. September liegen die Sozialdemokraten in allen Umfragen weit hinter der Union zurück. Die SPD kann seit Monaten nicht mehr als 23 Prozent der befragten Bundesbürger von sich überzeugen. Daran ändert bislang auch der Wiederantritt Franz Münteferings als Parteichef nichts. Auch Steinmeier selbst startet aus denkbar schlechter Position: Zuletzt würden ihn nur noch 17 Prozent der Befragten einer Forsa-Umfrage direkt zum Bundeskanzler wählen – der schlechteste Wert seit seiner Nominierung vor elf Monaten.

Ungeachtet dessen, gibt sich der Kanzlerkandidat zuversichtlich. "Wir spielen nicht auf Platz – wir spielen auf Sieg", erklärte Steinmeier weiter und griff auch das bürgerliche Lager an. "Schwarz-Gelb wäre der Rückmarsch in die neunziger Jahre", sagte er. "Darum wollen, darum müssen und darum werden wir gewinnen."

Dabei helfen sollen ihm neue Gesichter und ein von Frauen dominiertes Kompetenzteam. Mit Ausnahme von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, die wegen ihrer Dienstwagen-Affäre vorerst nicht dabei ist, setzt Steinmeier aber auch auf alle amtierenden SPD-Bundesminister. Finanzminister Peer Steinbrück, Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee sowie Umweltminister Sigmar Gabriel sollen die Wähler mit ihrer Kompetenz und ihrer Erfahrung überzeugen.

Neben Generalsekretär Hubertus Heil (zuständig für Neue Medien) und dem Bundestags-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann (Innenpolitik) will auch die SPD-Vizevorsitzende Andrea Nahles für Steinmeier kämpfen. Eigentlich eine Expertin in Sachen Wirtschaft und Arbeit – dieser Bereich bleibt aber Arbeitsminister Olaf Scholz vorbehalten – kümmert sie sich um die Bildungspolitik.

Für Familienpolitik zeichnet nunmehr die Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, verantwortlich. Viele haben jedoch Zweifel, ob die bislang kaum über die Landesgrenzen hinaus bekannte Politikerin im Wahlkampf tatsächlich gegenüber der zugleich versierten wie beliebten Amtsinhaberin Ursula von der Leyen (CDU) überzeugen kann. Neu auf der Bühne der Bundespolitik sind auch die Chefin der Berliner Staatskanzlei, Barbara Kisseler, sowie Ulrike Merten. Letztere, derzeit Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, übernimmt die Verteidigungspolitik, Kisseler ist Steinmeiers Frau für Kulturfragen.

Der große und schwierige Bereich der Gesundheitspolitik, bislang verantwortet von Ulla Schmidt, wird aufgeteilt. Damit wird die zuständige Expertin der SPD-Bundestagsfraktion, Carola Reimann, nicht wie bislang angenommen den Platz der Ministerin allein einnehmen, sondern für Hochschule und Forschung zuständig sein. SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks übernimmt den Bereich Verbraucherfragen und Anlegerschutz. Die Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag kümmert sich um Sport. Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Karin Evers-Meyer, betreut dieses Thema auch im Steinmeier-Team.

Im männlichen Teil des neuen Teams sorgt vor allem Harald Christ für Aufsehen. Der Unternehmer und Multimillionär soll für den Mittelstand zuständig sein und damit zusammen mit Steinbrück gegen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Stellung gebracht werden. Ein ebenfalls schwieriges Unterfangen: Der CSU-Politiker ist derzeit Deutschlands beliebtester Politiker, seine mahnenden Worte in puncto Opel-Sanierung und die damit zusammenhängenden Angriffe der Sozialdemokraten – Stichwort "der Baron aus Bayern" – haben ihm bislang nicht geschadet.