Hat ein Käufer nach kurzer Zeit Beanstandungen, hat der Verkäufer das Recht, den Schaden zu beheben. Er hat dafür aber nicht beliebig viel Zeit. Laut Gesetz ist der Käufer verpflichtet, eine "angemessene Frist zur Nacherfüllung" zu setzen. Jetzt stellte der BGH erstmals klar, dass kein exakter Endtermin genannt werden muss. Käufer defekter Waren brauchen dem Händler somit keine genaue Frist zur Beseitigung der Mängel zu nennen. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) genügt die Aufforderung, den Schaden "umgehend" oder "sofort" zu reparieren. Damit werde dem Verkäufer deutlich vor Augen geführt, dass er nur einen begrenzten Zeitraum zur Reparatur habe. 

Das Karlsruher Gericht gab dem Käufer eines gebrauchten Mercedes recht. Der Autofahrer hatte den fast 40 Jahre alten Mercedes SL 230 Pagode Ende 2005 für knapp 35.000 Euro gekauft. Als im Frühjahr 2006 der Motor Probleme machte und nur auf vier oder fünf Zylindern lief, forderte der Besitzer den Händler auf, den Schaden "umgehend" zu beseitigen, andernfalls werde er eine andere Werkstatt beauftragen. Zwar wollte man sich um die Angelegenheit kümmern, doch als sich der Händler nicht mehr meldete und ein telefonischer Kontaktversuch erfolglos blieb, beauftragte der Käufer Anfang April 2006 eine andere Werkstatt. Die Kosten von rund 2200 Euro stellte er dem Verkäufer in Rechnung.

Amts- und Landgericht Bochum hatten die Klage abgewiesen, weil der Kläger nach dem Wortlaut des maßgeblichen Paragrafen 281 Bürgerliches Gesetzbuch eine "angemessene Frist" hätte setzen, also einen genauen Endtermin hätte nennen müssen. Dem folgte der BGH nicht: Nach dieser Lesart würden die Verbraucher gegenüber denjenigen Käufern benachteiligt, die dem Verkäufer eine zwar zu kurze, aber genau terminierte Frist setzten. Denn solche Fristen würden nach der BGH-Rechtsprechung in eine "angemessene" Frist umgedeutet.

Dasselbe muss laut BGH deshalb auch für die Aufforderung gelten, einen Schaden "umgehend, sofort oder unverzüglich" zu beheben, sagte der Vorsitzende Wolfgang Ball bei der Urteilsverkündung. Denn damit werde ein, im Einzelfall bestimmbarer, Zeitraum benannt und dem  Verkäufer deutlich gemacht, dass er sich mit der Reparatur nicht beliebig viel Zeit lassen dürfe. Das Landgericht muss nun abschließend prüfen, ob der Motor wirklich mangelhaft war.