Mit einem grundlegenden Umbau der Conti-Spitze wollen der Autozulieferer Continental und sein Großaktionär Schaeffler ihren monatelangen Machtkampf beenden. Der Schaeffler-Manager Elmar Degenhart wird neuer Conti-Vorstandschef. Das teilte Conti am Mittwoch in Hannover nach einer Krisensitzung des Aufsichtsrats mit. Degenhart löst Karl-Thomas Neumann ab, der nach einem erbitterten Machtkampf mit Großaktionär Schaeffler nach nicht einmal einem Jahr im Amt abberufen wird.

Beide Personalentscheidungen waren erwartet worden. Medienberichten zufolge gab es im Aufsichtsrat nur eine Stimme gegen den neuen Vorstandschef. 

Zugleich muss auch der Schaeffler-Berater Rolf Koerfer mittelfristig seinen Posten als Aufsichtsratschef aufgeben. Koerfer habe die Bereitschaft erklärt, das zu tun, nachdem die Neuordnung des Vorstands, insbesondere die Bestellung eines Finanzvorstands, vollzogen sei. Zudem soll ein neuer Aufsichtsratschef von außen gesucht werden. Koerfer soll dem Aufsichtsrat als Präsidiumsmitglied weiterhin angehören. Wer Koerfers Nachfolger wird, ist offen.

Der Conti-Vorstand bekommt nicht nur einen neuen Vorsitzenden, sondern wird zudem erweitert. Der Aufsichtsrat hob den Chef der Pkw-Reifensparte, Nikolai Setzer, in den Vorstandsrang. Auch der Chef des Interior-Bereichs, Helmut Matschi, und Ralf Cramer, der Chef der Bremsen-Sparte Chassis & Safety, rücken in das Führungsgremium auf. Damit ist nur noch die Position des Finanzvorstands vakant. Dieser soll nun gesucht werden, aber weder von Conti noch von Schaeffler stammen.

Schaeffler hatte bei einer dramatischen Aufsichtsratssitzung Ende Juli versucht, Conti-Chef Neumann zu stürzen, war aber am Widerstand der Arbeitnehmerseite gescheitert. Die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit für eine Ablösung Neumanns kam nicht zustande. Danach kam es zu Verhandlungen über eine Kompromisslösung.

Im Mittelpunkt bei Conti dürfte nun eine geplante Kapitalerhöhung für den finanziell angeschlagenen Autozulieferer stehen. Conti braucht frisches Geld. Der Conti-Aufsichtsrat hatte Ende Juli auf Drängen Neumanns Ende Juli grünes Licht für eine Kapitalerhöhung von bis zu 1,5 Milliarden Euro gegeben.