Dieter Bimberg liebt hohe Geschwindigkeiten. "Wenn man die Füße gegen den Rumpf des Katamarans stemmt und mit dem Körper knapp über der Wasseroberfläche dahinjagt, das ist fantastisch", sagt der Hobbysegler. "Die schlanken Boote mit den zwei Rümpfen sind wie ein Porsche auf dem Wasser."

Die Tempojagd hart am Wind ist aber eher die Ausnahme für den 67-Jährigen. Ein-, zweimal im Jahr bietet sich die Gelegenheit dafür. Doch auch die übrige Zeit hat für ihn viel mit Geschwindigkeit zu tun. Schließlich arbeitet der Physikprofessor an der TU Berlin mit dem Schnellsten, was das Universum zu bieten hat: Licht. Er und sein Team erforschen, wie mithilfe von Lichtsignalen große Datenmengen schnell übertragen werden können.

"Um sich einen Spielfilm via Internet nach Hause zu holen, benötigt man fürs Runterladen heute etwa eine halbe Stunde", sagt Bimberg. "In unserem Labor haben wir eine Übertragungstechnik entwickelt, mit der Filme binnen zwei oder drei Sekunden eintreffen könnten." Möglich wird das durch winzig kleine Halbleiterstrukturen, die ultrakurze Lichtpulse aussenden. "Nanophotonik" sagen die Wissenschaftler deshalb zu ihrem Fachgebiet.

Bimbergs Team hat im Wettstreit der Forscher um schnelle Datentransfers immer wieder Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt. Es kann also durchaus als Anerkennung der weltweiten Konkurrenz gelten, dass als Tagungsort für den derzeit stattfindenden "International Nano-Optoelectronics Workshop" (iNOW) unter anderem Berlin ausgewählt wurde. Bisher wurde er in Berkeley, Tokio und Peking ausgerichtet. Zu der aktuellen Sommerschule sind 60 Top-Forscher und 160 ausgewählte Studenten aus aller Welt angereist. Nach einer Woche in Stockholm diskutieren sie von heute an bis zum Freitag in Berlin über ihre Ergebnisse.

Für den TU-Wissenschaftler werden die nächsten Tage also ziemlich anstrengend sein: Er will nicht nur seine Arbeitsgruppe repräsentieren, sondern gleich die ganze Stadt. Deshalb hat er ins Programm neben Vorträgen namhafter Wissenschaftler – etwa des Nobelpreisträgers Klaus von Klitzing – jede Menge Kultur aufgenommen, von der Museumsinsel bis zur Schlössernacht im nahen Potsdam. "Berlin begeistert mich", sagt der gebürtige Schwabe und schwenkt die Arme vor den Fenstern seines Büros, fünf Etagen über Charlottenburg.

Als er vor 19 Jahren ein Angebot bekam, nach Lausanne zu wechseln, habe er ernsthaft überlegt, die Stadt zu verlassen. Bald stand sein Entschluss fest: "Die Mauer war gerade gefallen, und zwei unterschiedliche Kulturen begannen zusammenzuwachsen – das durfte ich nicht verpassen!" Hinzu kam, dass Bimberg damals gerade Institutsdirektor geworden war und ein Labor aufbauen konnte, wie er es sich wünschte.

Begonnen hatte alles in einem Stuttgarter Gymnasium. "Mein Physiklehrer hat mich für das Fach begeistert", erzählt Bimberg. Ein halbes Jahr habe es gedauert, bis er seine Eltern endlich überzeugt hatte, ihn in der Oberstufe aus dem Lateinkurs zu nehmen, damit er sich der Naturwissenschaft widmen konnte. Nach dem Studium in Tübingen und Frankfurt am Main arbeitete er unter anderem in Grenoble und im kalifornischen Palo Alto.