Der Konstanzer Anwalt Christian Krähe, der seit Anfang Juli dem juristischen Beratungsteam Pechsteins angehört, distanzierte sich in einem Interview der aktuellen Ausgabe des Spiegelsvon der Pressearbeit seiner Mandantin. Pechsteins Auftritt am Donnerstag im Berliner Hotel Ellington glich zeitweise einer inszenierten Talkshow. Er habe ihn nicht verfolgt, und war auch nicht an der Vorbereitung dieses Medienevents beteiligt, erklärte Krähe weiter. Die Pressekonferenz sei jedoch wichtig gewesen, um Dinge geradezurücken, die “vorher falsch oder irreführend verbreitet worden sind“.

Gleichzeitig kritisierte Krähe, dass ein Mitarbeiter der Agentur, die Pechstein berät, in ein Kliniklabor im norwegischen Hamar eingedrungen sein soll, um an offizielle Unterlagen zum Indizien-Fall der 37 Jahre alten Berlinerin zu gelangen. "Ich hätte mir ein intelligenteres Verhalten gewünscht. Das war nicht besonders hilfreich", sagte Krähe, der zu den zwölf deutschen Richtern am Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne gehört. Kritik an der Verteidigungsstrategie sei dies nicht, denn die gestalte er selber mit.

Krähe sagte der Deutschen Presse Agentur dpa, seine Verteidigung beruhe vor allem auf dem sogenannten Rückwirkungsverbot. "Das ist juristisches Neuland, weil der WADA-Code erst seit dem 1. Januar 2009 gilt." Alle zwischen 2000 und 2008 ausgewerteten Proben hätten in diesem Fall nichts zu suchen, weil sie vor Inkrafttreten des neuen WADA-Codes im Januar 2009 genommen wurden. "Dieser Verwertung steht das Rückwirkungsverbot, das im schweizerischen Recht gilt, entgegen", betonte der erfahrene Jurist, der optimistisch ist, dass "sie bald wieder trainieren darf". Auch fürs Hauptverfahren sei er optimistisch.

"Die ISU hat einen zu schwachen Beweisstandard angenommen und sich mit einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit zufriedengegeben, und eine überwiegende Wahrscheinlichkeit reicht nach dem WADA-Code nicht aus", erklärte Krähe. Dass er als CAS-Richter trotzdem als Anwalt für einen Mandanten einen Fall vor dem CAS präsentiere dürfe, sei laut CAS-Regeln erlaubt.

Erst vom 1. Januar an ist nach den neuen Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA eine Sperre aufgrund von Indizien auch ohne positiven Befund möglich. Pechstein war am 1. Juli vom Weltverband ISU wegen auffälliger Retikulozyten-Werte für zwei Jahre gesperrt worden und setzt in der Berufung vor dem CAS vor allem auch auf vermeintliche Verfahrensfehler der ISU.

Pechstein ist optimistisch

Der Langzeittest soll belegen, dass ihre Retikulozytenwerte auch im Rahmen ständiger Tests und verschiedener Trainingsbedingungen schwankend und sprunghaft sind. "Ich hoffe, dass die Rahmenbedingungen für die von mir angestrebte Testreihe bereits innerhalb der nächsten acht Tage endgültig festgeschrieben werden können, damit meine Bitte von der NADA schnellstmöglich geprüft und hoffentlich auch sehr zeitnah umgesetzt werden kann", teilte die fünfmalige Olympiasiegerin auf ihrer Homepage mit. Sie sei "guter Dinge", einen Freispruch zu bekommen und möchte "alles dran setzen, auch meinen guten Ruf wieder herzustellen."