Die Affäre um angeblich erfundene Publikationen an einem Sonderforschungsbereich der Universität Göttingen ist weniger gravierend als bisher angenommen. Klaus Henning, Präsident des Göttinger Landgerichts und Leiter der offiziellen Untersuchungs-Kommission, sagte nach Abschluss der Ermittlungen: "Es ist nicht der Riesen-Skandal." Hochschulpräsident Kurt von Figura sagte, es habe keine erfundenen oder falschen Texte gegeben.

Die Kommission hat bei vier Wissenschaftlern dennoch ein grob fahrlässiges Fehlverhalten festgestellt. Sie müssen jetzt mit disziplinarischen Konsequenzen rechnen. Schwerwiegende Maßnahmen wie etwa die Entfernung aus dem Dienst werde es aber nicht geben, sagte von Figura. Die Forscher hätten ohnehin erheblich an der Beschädigung ihrer wissenschaftlichen Reputation zu tragen.

In dem rund 1100 Seiten starken Förderantrag des inzwischen aufgelösten Sonderforschungsbereich 552 (SFB), der sich mit der "Stabilität von Randzonen tropischer Regenwälder in Indonesien" beschäftigte, waren insgesamt 230 von Fachzeitschriften bereits zur Veröffentlichung angenommene Texte und 63 bei Journalen eingereichte Manuskripte aufgeführt.

In die Publikationslisten, die der SFB einem Antrag auf Fördermillionen an die Deutsche Forschungsgemeinschaft beigefügt hatte, habe ein Forscher drei bis dahin noch nicht fertiggestellte Manuskripte aufgeführt, sagte Henning. Drei weitere führende Wissenschaftler hatten fälschlich angegeben, ihre Arbeiten seien bereits bei wissenschaftlichen Journalen zur Veröffentlichung eingereicht.

Interne Ermittlungen zur angeblich zweckwidrigen Verwendung von Fördermitteln im SFB 552 seien aber noch nicht abgeschlossen, sagte von Figura. Auch die Göttinger Staatsanwaltschaft hatte in diesem Zusammenhang im Mai ein Verfahren gegen Mitarbeiter des SFB wegen des Verdachts des versuchten Betruges und der Untreue eingeleitet, das noch nicht abgeschlossen ist.