Das Containerschiff mit 24 Mann Besatzung, darunter fünf Deutsche, war am 4. April rund 400 Seemeilen vor der somalischen Küste in die Fänge von Seeräubern geraten und erst am vorigen Montag gegen Zahlung eines Lösegelds von angeblich zwei Millionen Euro wieder freigekommen. Das Schiff warf im Hafen etwa 300 Meter vom Liegeplatz entfernt zunächst Anker. Offenbar wurde es vor dem Anlegen noch auf Sprengstoff durchsucht.

Angehörige und Mitarbeiter des Eigners, der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg, warteten in Mombasa auf die Crew. Kapitän Krzysztof Kotiuk sagte nach dem Einlaufen seines Schiffes in Mombasa: "Es ist immer noch stressig, aber uns geht es gut, wir sind glücklich, gesund und froh." Zuvor hatte er von einem Martyrium mit Scheinhinrichtungen und anderen Schikanen der Piraten während der viermonatigen Geiselhaft berichtet.

Die 24-köpfige Crew sollte zunächst an einen geheimen Ort gebracht werden, um sich von den Strapazen zu erholen. Den Angaben des Sprechers der EU-Anti-Piraten-Mission Peter Benn zufolge sollte sie dort medizinisch und auch psychologisch betreut werden. "Die Reederei will, dass die Mannschaft nach ihren traumatischen Erlebnissen in Ruhe gelassen wird", sagte Benn im Hinblick auf die Medien.

Der Frachter wurde von der Fregatte Brandenburg der Deutschen Marine bis in den Hafen begleitet. Am Kai trafen Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) ein. Sie wollen unmittelbar nach Ankunft des Frachters an Bord ihre Ermittlungen aufnehmen. Spezialisten werden das Schiff auf Schäden überprüfen.

Vor der Ankunft der Hansa Stavanger waren strikte Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Am Kai, an dem das Schiff festmachen soll, postierten sich private Sicherleute. Mit Gabelstaplern wurde ein Sichtschutz aus Containern errichtet, offenbar um das Filmen des Schiffs zu verhindern. Gegen Mittag begannen Sicherheitskräfte damit den Kai zu räumen, auf dem etwa zwei Dutzend Journalisten auf die Ankunft des Schiffes warteten. Unterdessen traf dort eine neue Besatzung mit einem deutschen Kapitän ein, die die Hansa Stavanger übernehmen sollte.

Der Bundeswehrverband warf der Bundesregierung unterdessen eine zu zögerliche Haltung während der Entführung des deutschen Frachters Hansa Stavanger vor. "140 Tage hatte die Bundesregierung Zeit, nach Alternativen für Lösegeldzahlungen zu suchen, aber nichts ist passiert", sagte Verbandschefs Ulrich Kirsch der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Er warnte aber vor dem Versuch von Geiselbefreiungen, weil sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Todesopfer fordern würden. Angesichts eines mysteriösen Vorfalls in der schwedischen Ostsee, wo Maskierte Ende Juli zwölf Stunden einen Frachter besetzt hatten, forderte Kirsch, "auch vor der heimischen Küste Vorsorge zu treffen - und zwar schnell".