Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) hatte berichtet, die SPD-Abweichler erwarteten eine Niederlage der Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl. Danach wollten sie enttäuschte SPD-Wähler und -Anhänger auffangen. Ihre Gruppierung solle rechts von der SPD angesiedelt und "sozialliberal" sein.

Laut FAS soll auch der frühere SPD-Spitzenpolitiker Wolfgang Clement für die neue Partei gewonnen werden. Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister, der im November vergangenen Jahres die SPD verlassen hatte, wies das am Sonntag aber zurück. "Ich habe derzeit nichts im Sinn damit", sagte Clement der Financial Times Deutschland (Montagsausgabe). Er bestätigte jedoch Kontakte zu den vier SPD-Rebellen Jürgen Walter, Silke Tesch, Carmen Everts und Dagmar Metzger. Die damaligen Landtagsabgeordneten hatten sich im November 2008 geweigert, eine von der Linkspartei tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung unter der hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti zu wählen. Clement war parteiintern wegen seiner Kritik an Ypsilanti gerügt worden.

Walter wies den Zeitungsbericht zurück. Er sei "völlig an den Haaren herbeigezogen. Es gibt keine Bestrebungen, eine neue Partei zu gründen" sagte er dem Hamburger Abendblatt . Everts sagte der Nachrichtenagentur dpa, der Bericht sei "völlig aus der Luft gegriffen". Die anderen waren zunächst nicht erreichbar.

Der FAS zufolge hofft Jürgen Walter, zum Zeitpunkt von Ypsilantis Scheitern SPD-Fraktionschef im hessischen Landtag auch auf Abrünnige aus der Union. Schon im vergangenen November habe er darauf hingewirkt, im hessischen Landtag mit den anderen SPD-Rebellen zunächst eine eigene Fraktion zu gründen. Metzger und Tesch hätten sich dem jedoch verweigert.

Gegen Walter läuft derzeit ein Parteiordnungsverfahren. Der SPD-Unterbezirk Wetterau hatte verlangt, Walters Mitgliedsrechte für zwei Jahre einzuschränken. Der Politiker will aber nur eine Rüge akzeptieren, wie sie auch Everts und Tesch erhalten haben. Der endgültige Spruch steht noch aus.

Beim Berufungsverfahren war es Anfang Juli zum Eklat gekommen. Dieser hatte unter Protest die Sitzung verlassen und das Verfahren mit "Moskauer Prozessen" verglichen, weil sein Rechtsbeistand nicht zur Sitzung zugelassen wurde. Walters Ankläger in dem Parteiordnungsverfahren, der ehemalige hessische Minister Jörg Jordan, sagte der FAS, an dessen Verhalten könne man deutlich erkennen, dass er alle Brücken zur Partei abbreche. Walter wolle seinen Ausschluss offensichtlich provozieren.