Der Ton am Arbeitsplatz wird härter. Neulich erst klingelte mein Telefon.
"Kann ich Dr. Kalbskötter sprechen", fragte eine Frau streng.
"Ich weiß nicht...", stotterte ich wahrheitsgemäß.
"Können Sie mich durchstellen", sagte die Frau genervt, "ich habe nicht ewig Zeit!"
"Ich kann Sie nicht durchstellen", sagte ich. "Ich kenne keinen Dr. Kalbskötter!"
Am anderen Ende war es still. Dann legte die Frau auf.

Eine Minute später klingelte es wieder.
"Dr. Kalbskötter bitte", sagte sie harsch.
"Wie ich gerade schon sagte", erwiderte ich. "Es gibt hier keinen Dr. Kalbskötter!"
"Was für ein Unsinn", blaffte sie. "Ich habe seine Nummer gewählt."
"Nein", sagte ich. "Sie haben meine Nummer gewählt! Und wie gesagt: Es gibt hier..."
"Ausgeschlossen", sagte sie. "Ich kenne die Nummer von Dr. Kalbskötter in- und auswendig. Ich habe sie schon oft genug gewählt."
"Dann tun Sie es bitte noch mal", bat ich.
"Werden Sie nicht unverschämt", fauchte sie. "Ich habe seine Nummer gewählt. Also, bitte. Sie werden mich jetzt verbinden und zwar sofort!"

Ich zwang mich, ein paar Mal tief durchzuatmen.
"Wir können das Problem sicher lösen", sagte ich dann. "Sagen Sie mir doch einfach, welche Nummer Sie gewählt haben ..."
"Woher soll ich das wissen?", fuhr sie mich an. "Ich habe doch nicht alle meine Nummern im Kopf! Ich habe sie in meinem Handy. Was stellen Sie eigentlich für blöde Fragen? Wollen Sie mich verkackeiern? Ich will jetzt diesen Dr. Kalbskötter sprechen. Aber sofort!"
"Hören Sie", sagte ich, so ruhig ich konnte. "Ich habe Ihnen gerade schon gesagt, dass es hier keinen Dr. Kalbskötter gibt. Sie haben die falsche Nummer ..."
Aber sie hatte schon aufgelegt.

Eine Sekunde später läutete mein Telefon erneut.
"Passen Sie auf", keifte sie übergangslos. "Entweder, Sie verbinden mich sofort, ich wiederhole SOFORT mit Dr. Kalbskötter. Oder Sie können schon mal Ihre Sachen packen, dafür werde ich persönlich sorgen."
"Die falsche Nummer!", rief ich. "SIE HABEN DIE FALSCHE NUMMER GEWÄHLT!"
"Hören Sie auf, mich anzubrüllen!", schrie sie. "Ich mache keine Fehler! Ich habe die richtige Nummer gewählt! Und sagen Sie Ihrem sauberen Dr. Kalbskötter, dass ich genau weiß, warum er sich von einem so armseligen Typen wie Ihnen verleugnen lässt. Dass ich hinter seine Machenschaften gekommen bin. Und wenn ich nicht augenblicklich mit ihm sprechen kann, dann lasse ich seinen ganzen, sauberen Laden hochgehen!"
In einer Situation wie dieser gibt es nur einen Ausweg. Ich verband sie mit dem Fax.

Nach fünf Minuten klingelte mein Telefon wieder.
Ich ließ es klingeln, bis es nach einer Viertelstunde wieder aufhörte.
Eine Viertelstunde später kam ein Anruf über die Zentrale, angeblich von einer Lottogesellschaft. Ich war so dumm, anzunehmen.