Manchmal sind Mauerblümchen einfach nur Spätzünder. Die Fashion Week in Kopenhagen blickt auf eine ähnlich lange Existenz wie die in Paris und Mailand zurück. Sie wurde bereits 1964 gegründet, 20 Jahre nach der initiierenden Fashion Week in New York und vier Jahre vor der Gründung von Skandinaviens Modeexport-Monstrum H&M. 

Ihre Peripherie-Stellung im hohen Norden schien der Copenhagen Fashion Week lange Zeit selbst nicht geheuer. Ein skandinavisches Modehaus aus den späten Sechzigern nannte sich etwa Marc O’Polo – um bloß nicht mit Schweden assoziiert zu werden.

Erst als Hedi Slimane Anfang der Nuller Jahre für Dior Rock’n’Roll und Mode in der Haute-Couture-Stadt Paris aussöhnt, blüht Skandinavien auf. Die Mode steht wieder da wie in den sechziger Jahren, als der New Look von Dior endgültig abdanken musste. Genau für diesen Aufbruch steht die aktuelle skandinavische Mode. Mailand mit seinem ewigen Faible für die maßgeschneiderten vierziger Jahre und Paris mit seiner Nostalgie für die opulenten Siebziger bekommen plötzlich einen Konkurrenten zur Seite gestellt, der auf Augenhöhe agiert.

Skandinavische Marken wie J. Lindeberg, Filippa K und vor allem Acne haben die Form des smarten Rock’N’Rollers perfektioniert. Längst werden sie von unzähligen jungen Designern wie Stine Goya, Bibi Ghost, Carin Wester, WoodWood oder Fifth Avenue Shoe Repair flankiert, die an einer lässigen Eleganz arbeiten.

Bei aller Unterschiedlichkeit eint die Designer eines: der Sinn für Mäßigung. Skandinavische Mode ist weder zu extravagant im Design noch im Preis, dafür von einer frischen Unkompliziertheit, mit der sie sich mehr und mehr gegen den hochnäsigen Luxus aus Mailand und Paris und das überfreakige London behaupten kann.

Auf der Copenhagen Fashion Week, die noch bis zum 8. August dauert, werden die Extrempositionen der skandinavischen Mode deutlich: Auf einer großen Show präsentieren Malene Birger, Noir und Henrik Vibskov ihre Kollektionen.

Birger, die hauptsächlich auf Mallorca lebt, ist die Grande Dame der skandinavischen Mode. Sie steht eher einem Konzern als einem Designhaus vor. Ihre Entwürfe bedienen sowohl Mutter als auch Tochter, sind am Strand ebenso tragbar wie in der Oper. Das kann einem in seiner fehlenden Stringenz und gelackten Internationalität verdächtig vorkommen, ist aber sehr erfolgreich. So exportiert Birger ihre Abendroben im Wert von mehreren tausend Euro in die Vereinigten Arabischen Emirate.

Noir gehören weltweit zu den Ausnahmelabeln. Sie produzieren ökologisch, werden aber gerade nicht für ihre brave Haltung gefeiert, sondern für ihre dramatischen Designs. Und Henrik Vibskov ist das Spielkind und Enfant terrible, das zwischen Kunst und Klamauk der skandinavischen Mode in ihrer tendenziellen Spießigkeit die Narrenkappe aufsetzt.