Ein kurzer Stich der weiblichen Anopheles-Mücke genügt, um die Malaria zu übertragen. Jährlich sterben an der Krankheit eine Million Menschen. Vor allem die Jungen in Afrika sind unter den Opfern. "Jede Minute sterben zwei Kinder an Malaria", sagt Peter Kremsner, der zurzeit Spritzen gegen die Seuche setzt. In der weltgrößten Studie ihrer Art suchen er und seine Tübinger Tropenmediziner nach einem Malaria-Impfstoff.

Mehr als 16.000 Kinder sollen in den kommenden Monaten geimpft werden. Mit einem Wirkstoff, der von Glaxo-Smith-Kline in Belgien entwickelt wurde und an dem Kremsner und seine Kollegen lange geforscht haben. Seit mehr als 100 Jahren arbeiten Mediziner an einer Vakzine, mit RTS,S – einem Protein, das den Erreger isoliert – sind die Forscher einem Impfstoff jetzt wohl so nahe wie noch nie.

"Es ist besser als alles bisher Dagewesene", sagt Tropenmediziner Kremsner, warnt aber gleichzeitig vor zu hohen Erwartungen. Malaria als Geißel der Menschheit auszurotten, wie in den vergangenen Jahrhunderten in Amerika und Europa, werde man nicht. Dennoch: RTS,S soll eine Wirksamkeit zwischen dreißig und fünfzig Prozent haben und bis zu zwei Jahre den Körper schützen – "vielleicht aber auch nur ein halbes Jahr". Trotzdem sind die vier Buchstaben und der Stoff, der dahinter steckt, ein großer Schritt.

RTS,S bereitet das Immunsystem des Menschen auf die tödliche Malaria tropica vor: Mit dem Stich einer weiblichen Anopheles-Mücke, die den Malaria-Erreger in sich trägt, wird dieser ins menschliche Blut gespült. In diesem Moment greift das RTS,S-Eiweiß bereits an. Normalerweise würde der Erreger über die Blutbahnen in die menschliche Leber gelangen, sich vermehren und sich von dort im Körper verteilen. RTS,S aber wirkt direkt nach dem Eindringen des Erregers und soll ihn abfangen.

Bisher gibt es kein präventives Mittel gegen die Tropenkrankheit, die heute mehr Opfer fordert als Aids und Afrika in die Armut treibt. Denn Malaria macht aus starken Menschen siechende Schwache, die innerhalb weniger Tage sterben und damit Gesellschaften und Generationen zerstört. Dabei ist Malaria behandelbar – für viele ist der Weg zu weit zum Arzt jedoch zu weit oder das Medikament zu teuer. Die Tübinger Tropenmediziner sind nun mit RTS,S, das sie in ihrer Partnerklinik in Lambarene im afrikanischen Gabun zurzeit Kleinkindern spritzen, weltweit mit an der Spitze im Kampf gegen die Krankheit.

Noch ist das neue Mittel in der dritten und letzten Erprobungsphase, aber "in zwei bis drei Jahren könnte der erste Malaria-Impfstoff auf dem Markt sein", sagt Peter Kremsner. Er soll nicht Touristen schützen, sondern die einheimische Bevölkerung. Nahezu jeder Afrikaner bekommt einmal im Jahr Malaria – wird die Krankheit innerhalb der ersten drei Tage behandelt, besteht kaum Gefahr. Trotzdem ist Malaria südlich der Sahara bei unter Fünfjährigen die häufigste Todesursache.