Die seit Wochen in Iran inhaftierte junge Französin soll bald aus der Haft entlassen werden. Iran sei bereit, die 24-jährige Sprachlehrerin Clotilde Reiss gegen Kaution freizulassen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur IRNA. Die französische Botschaft wolle die geforderte Kaution zahlen, berichtete die Nachrichtenagentur Fars. Die Höhe der Kaution ist unbekannt.

Die Französin steht in einem Massenprozess gegen mehr als 100 iranische Oppositionelle in Teheran unter anderem wegen Spionage vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, in die Proteste verwickelt zu sein, die nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadineschad Mitte Juni ausgebrochen waren. Auch im Falle einer Freilassung dürfe sie jedoch das Land nicht verlassen und müsse sich ihrem Verfahren stellen, sagte der Teheraner Generalstaatsanwalt Said Mortasawi.

Das iranische Parlament hat unterdessen Vorwürfe zurückgewiesen, wonach andere inhaftierte Oppositionelle im Gefängnis sexuell misshandelt worden seien. Nach Untersuchungen in zwei Haftanstalten seien keine Anzeichen für sexuelle Übergriffe auf Gefangene gefunden worden. Die Vorwürfe seien haltlos, sagte der Parlamentssprecher Ali Laridschani. Er warnte die Opposition davor, nicht belegbare Vorwürfe zu erheben. Sie würden von ausländischen Medien ausgenutzt.

Zuvor hatten sowohl die Polizei als auch die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass es zu Übergriffen gegen Gefangene gekommen war und dass deshalb auch Justizbedienstete gehen mussten. Mehdi Karrubi, der Chef der größten Oppositionspartei in Iran,  hatte in einem Brief an Ex-Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani von massiven Vergewaltigungen weiblicher und männlicher Gefangener berichtet.

Die Bundesregierung in Berlin hat auf Grund der Situation den iranischen Botschafter einbestellt. Er sei am Dienstagabend empfangen worden, teilte ein Sprecher des Außenministeriums mit. Die Bundesregierung habe die Erwartung zum Ausdruck gebracht, "dass die inhaftierten Personen umgehend freigelassen werden". Ausdrücklich sei auch der Fall der französischen Sprachlehrerin Reiss angesprochen worden.