Der frühere Wehrmachtsoffizier Josef Scheungraber war wegen Mordes an zehn italienischen Zivilisten schuldig gesprochen worden. Jetzt hat der Kriegsverbrecher Rechtsmittel eingelegt. Die Revision seiner Verteidiger ging am Dienstagabend nur Stunden nach dem Urteil beim Münchner Schwurgericht ein, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. 

Scheungraber war am Dienstag zu lebenslanger Haft verurteilt worden. "Es ist nie zu spät für Gerechtigkeit.", sagte Andrea Vignini, Bürgermeister von Cortona. Er war zusammen mit Margerita und Angiola Lescai zu dem Urteil nach München gereist. Margerita hat bei dem Massaker Großvater und Vater verloren. Ihre Mutter heiratete wieder, Angiola ist ihre jüngere Halbschwester. "Es soll eine Ermahnung sein für die Zukunft: Auch im Krieg darf es bestimmte Dinge nicht geben, es gibt eine persönliche Verantwortung", sagt Angiola.

Nach Überzeugung der Richter hatte Scheungraber 1944 aus Rache für einen Partisanenüberfall in dem Weiler Falzano di Cortona den Befehl gegeben, ein Haus mitsamt elf unschuldigen Gefangenen in die Luft zu sprengen. Unter den Opfern waren auch Jugendliche und alte Männer. Nur ein 15-Jähriger überlebte.

Scheungraber hatte nach dem Krieg in Ottobrunn bei München als angesehener Bürger gelebt. Der Inhaber einer Schreinerei gehörte 20 Jahre dem Gemeinderat an, war Träger der Bürgermedaille und Ehrenkommandant der Freiwilligen Feuerwehr. Viele hatten mit seinem Freispruch gerechnet, denn die Angaben der Zeugen in dem elfmonatigen Verfahren blieben oft vage. Niemand erinnerte sich genau daran, ob Scheungraber wirklich den Befehl für das Massaker vor 65 Jahren gegeben hatte.