Sechseinhalb Wochen sind es noch bis zum 27. September. Der Wahlkampf kommt langsam in Schwung. Als letzte Partei ist jetzt auch die SPD in die Plakatschlacht eingestiegen, die sich mittlerweile an den Laternenpfählen und auf den Grünflächen der Republik ausbreitet. "Unser Land kann mehr", heißt der zentrale Slogan der SPD, den Wahlkampfleiter Kajo Wasserhövel am Mittwoch in Berlin präsentierte.

Anders als die CDU plakatiert die SPD in der ersten Phase nicht ihre Minister und die anderen Mitglieder des Kompetenzteams und auch nicht ihren Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier, der mit schwachen Popularitätswerten zu kämpfen hat. Stattdessen zeigt sie auf ihren Großflächenplakaten zunächst "normale" Menschen, unter anderem einen Zimmermann, einen Rentner und eine Studentin. Verbunden mit entsprechenden inhaltlichen Aussagen.

Es ist nicht zu übersehen, die Sozialdemokraten wollen die Union zu einem programmatischen Wahlkampf zwingen. Statt über Personen wollen sie über Inhalte reden. "Keine klare Botschaft, kein klares Argument" hat Wasserhövel bei der Union im Wahlkampf bislang ausgemacht, nur den Versuch, den Wählern zu suggerieren, es gehe um nichts.

Für die SPD geht es in den nächsten Wochen hingegen um alles. Die Partei steht weiter mit dem Rücken zur Wand. Auch in dieser Woche ist in den Meinungsumfragen kein nachhaltiger Stimmungsumschwung erkennbar. Fast gebetsmühlenartig wiederholen sozialdemokratische Spitzenpolitiker dennoch das Credo, die Wahl sei noch nicht gelaufen. 60 Prozent der Wähler seien noch unentschieden, sagt auch Wasserhövel, und er glaubt, dass die "Spätentscheiderquote" in diesem Jahr noch höher sein wird als 2005.

Vor vier Jahren hatte die SPD die Union, die sich zusammen mit der FDP schon als Wahlsieger wähnte, in einem fulminanten Wahlkampfendspurt noch beinahe abgefangen. Und trotz bislang schlechter Unfragewerte geht die SPD weiterhin davon aus, dass jene Wähler, die 2005 SPD gewählt haben, im Prinzip auch in diesem Jahr noch für sie erreichbar sind. "Wir werden uns in eine Position reinkämpfen, in der Steinmeier den Auftrag zur Regierungsbildung bekommt", versicherte Wasserhövel. Doch der Wahlkampfmanager weiß natürlich auch, dass die SPD "bergauf kämpfen" muss, will sie ihr Ziel noch erreichen.

Und der Berg ist steil. In Umfragen liegt die Union derzeit – je nach Institut – 11 bis 17 Prozentpunkte vor der SPD. Zudem ist Kanzlerin Angela Merkel deutlich beliebter als der Herausforderer. Das gewaltige Mobilisierungsproblem, das sich der SPD schon im Europawahlkampf offenbart hatte, scheint noch nicht überwunden.