Die Finanzkrise traf die Heidelberger Druckmaschinen AG hart, das Unternehmen führte schon Ende vergangenen Jahres Kurzarbeit ein. Ende Juli gab es dann aber doch strahlende Gesichter. 49 von Kurzarbeit betroffene Fach- und Führungskräfte hielten nach einem Kurz-Lehrgang in Prozessmanagement an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) nach bestandener Prüfung ein Zertifikat der Hochschule in Händen.

Nina Sauermann, Veranstaltungsmanagerin an der RWTH, konnte sich über die Zufriedenheit ihres Firmenkunden gleich doppelt und dreifach freuen: Aus einer bunten Angebotspalette bestellte HeidelDruck gleich zwei weitere Wochenkurse zur Wissensauffrischung und -erweiterung von Fach- und Führungskräften in den Freischichten. Auf dass die Beschäftigten mit innovativen Ideen schnell wieder zu gewinnbringenden Innovationen durchstarten. Mit diesem Versprechen konnte die TH auch andere Weltunternehmen wie den Werkzeugmaschinenbauer Trumpf als Kunden gewinnen.

Was bringt das den Aachener Wissensmittlern? "Bei uns arbeitet keiner ehrenamtlich", schmunzelt Managerin Sauermann. Genaueres ist Betriebsgeheimnis. Immerhin verlangt die Weiterbildungsakademie der Elite-Uni 600 Euro pro Teilnehmer und Woche. Den größten Anteil zahlt die Bundesagentur für Arbeit (BA), einen Rest das Unternehmen. Nur weil einer von fünfzig Teilnehmern absagte, kamen in Heidelberg die angepeilten 30.000 Euro nicht ganz zusammen.

Lehrinhalte waren etwa die möglichst glatte Auftragsabwicklung oder störungsfreie Änderungen im Fabrikbetrieb, alles als Trockenübungen in Seminar-Atmosphäre. Anderthalb Tage unterrichtete ein Professor alleine, das restliche Programm bestritt ein Sextett von Hochschulmitarbeitern, darunter auch eine Ingenieurin, einzeln, zu zweit oder dritt. Selbst bei einem Extra-Entgelt für die angestellten Dozenten bleibt offenbar pro Woche genügend Geld übrig, mit dem die Hochschule etwa eine Gehaltslücke von einem bis zum nächsten Forschungsauftrag überbrücken oder die eine oder andere Doktorandenstelle noch um ein paar Monate verlängern kann.

Die Anfang des Jahres eingeführte arbeitsmarktpolitische Innovation "Weiterbildung in der Kurzarbeit" taugt offenkundig zur akademischen Cash Cow. 200 Millionen Euro hat die Bundesregierung für die Jahre 2009 und 2020 dafür zur Verfügung gestellt. Die RWTH Aachen bietet deswegen insgesamt 18 verschiedene Kurse an, von der Strategieentwicklung auf der Chefetage bis zur Konstruktion von Bauteilen am Computer. Hingegen halten sich offenbar alle anderen Hochschulen im Lande mit solchen BA-Maßnahmen bislang zurück, darunter auch private Fachhochschul-Ketten wie AKAD, FOM und SRH. Für FOM-Kanzler Harald Beschorner "ist die Nachfrage von Firmen zu gering und das Antragsverfahren zu bürokratisch".

Tatsächlich wurden bis Anfang August aus einem EU-Sondertopf speziell für Führungskräfte nur 5 Millionen Euro abgeholt statt, wie amtlich erwartet, mehr als dreieinhalb Mal so viel. Für die meisten antragsberechtigten Firmen ist Weiterbildung überhaupt nur im ersten halben Jahr der Kurzarbeit attraktiv, weil sie dann die sonst fälligen Sozialabgaben in Bildung investieren können. "Bei Führungskräften sind das gerne 250 Euro im Monat", erläutert Bildungsmanagerin Sauermann. "Zusammen mit den BA-Geldern kommen wir so auf unsere 600 Euro pro Person, ohne dass das lernende Unternehmen etwas draufzahlt."