Frage: Herr Loh, Sie sind Unternehmer. Wie ist das, seinen Leuten sagen zu müssen: Du musst gehen, weil ich keine Arbeit mehr für Dich habe?

Friedhelm Loh: Meine Unternehmensgruppe ist 40 Jahre lang gewachsen, und für uns ist das eine völlig neue Situation. Ein Teil der Beschäftigten ist bereits in Kurzarbeit, wir diskutieren aber auch über Entlassungen. Viele Ehefrauen schicken Briefe an mich, drei vier Seiten lang, handgeschrieben, und bitten darum, ihre Männer nicht zu entlassen. Da brechen Welten zusammen.

Frage: Wie gehen Sie damit um?

Loh: Mich, wie die meisten Manager, lässt das nicht kalt. Für uns ist das eine große Belastung, Mitarbeiter entlassen zu müssen, von denen viele schon Jahre im Unternehmen gearbeitet haben. Am Anfang haben die Mitarbeiter noch nicht realisiert, dass die Krise auch sie betreffen könnte. Wenn ich jetzt durch meine Werkshallen gehe, sehen die Leute mich mit fragenden Augen an. Was sollen Sie da sagen? Dass wir gestärkt aus der Krise hervorgehen werden, sie aber leider ihren Arbeitsplatz verlieren? Da hilft nur ehrliche, offene Information.

Frage: Wie schlimm wird die Entlassungswelle?

Loh:Wie wir haben viele Unternehmen den guten Willen, mithilfe von Kurzarbeit den Herbst zu erreichen. Erst dann wird man mehr Erkenntnisse haben, wie lange die Krise dauert und wie tief sie ist. Entsprechend sind leider die Konsequenzen.

Frage: Sie könnten bis zu zwei Jahre Kurzarbeit fahren und so Entlassungen vermeiden.

Loh: Das ist zwar richtig, kostet die Unternehmen aber viel Geld. Durch die Kurzarbeit verlängert sich zum Beispiel die Beschäftigungsdauer, damit erhöht sich aber auch die Abfindungshöhe, wenn am Ende doch eine Entlassung nötig wird. Außerdem fallen trotz Kurzarbeit tarifliche oder freiwillige Sozialleistungen an. Hinzu kommt die Belastung durch höheren Wettbewerbsdruck.

Frage: Die Elektroindustrie ist die zweitgrößte Branche Deutschlands. Wie viele der 1600 Mitgliedsunternehmen werden die Krise nicht überleben?