Und dennoch stellt sich die Frage, ob der Tierschutz in diesem Fall gewahrt ist. Der steht immerhin seit 2002 im Grundgesetz. Genießt dieses Gut nicht einen höheren Stellenwert als die Wissenschaftsfreiheit? Dies muss nun juristisch geklärt werden.

Tierquälerei ist Andreas Kreiter nicht vorzuwerfen. Schließlich wurden seine Versuche stets unter strengsten wissenschaftlichen Auflagen geprüft, wie es das Tierschutzgesetz vorschreibt. Ein amtlich bestellter Tiermediziner, der die Makaken regelmäßig und unangemeldet im Labor aufsucht, bestätigte, dass sich die Tiere in einem tadellosen Zustand befänden. Ihnen ginge es im Vergleich zu ihren Artgenossen im Zoo "genauso gut, wenn nicht besser".

Doch warum will die Bremer Gesundheitsbehörde die Versuche nun nicht mehr genehmigen? Die Erklärung dafür ist ein Skandal: Weil die Politik mit dem Ausstieg aus den Affenversuchen vor der Wahl zur Bremischen Bürgerschaft 2007 auf Wählerstimmenfang ging, musste die zuständige Senatorin vergangenen November zur Tat schreiten. Schließlich wurden die Experimente verboten, die man zuvor stets genehmigt hatte.

Das Problem: Eine eigens einberufene Expertenkommission und auch die Tierschutzkommission der Gesundheitsbehörde empfahl die Fortsetzung der Versuche. Ein Berliner Gutachter wurde bestellt, der die Affen durch die Experimente schließlich schwer belastet sah. Das Papier des Tiermediziners wurde zur Grundlage des Verbots gegen das sich die Universität Bremen und Andreas Kreiter nun seit Monaten wehren. Der Gutachter selbst hat die Tiere allerdings nie im Labor besucht, geschweige denn untersucht.

Vieles spricht dafür, dass Andreas Kreiter als Sündenbock herhalten muss. Es ist verlockend ihn als skrupellosen Frankenstein zu verunglimpfen, wie es viele vermeintliche Tierschützer getan haben. Was hierbei oft vergessen wird: Allein in Deutschland halten jährlich mehr als zwei Millionen Tiere, vor allem Mäuse und Ratten, für wissenschaftliche Versuche her. Doch bleibt die ganz große Entrüstung bei der Vorstellung dieser Zahlen Jahr für Jahr aus. Andreas Kreiter hat in den vergangenen Jahren nicht mehr als zehn Makaken eingeschläfert.

Solange es keine Alternativen zu den Affenversuchen gibt, sollten sie weitergeführt werden dürfen. Ihre Bedeutung wird belegt durch zahlreiche wissenschaftliche Publikationen Kreiters. Auch führende Experten unterstützen seine Forschung, darunter der Medizin-Nobelpreisträger und Neurobiologe David Hubel.

Ob und wie stark die Makaken in Kreiters Labor wirklich leiden, vermag letztlich niemand zu sagen. Dass der Hirnforscher hingegen gewissenhafte Arbeit leistet, hat er stets einwandfrei belegen können. Seine Versuche wird er vorerst weiterführen können. Es wird nicht erwartet, dass die Bremer Verwaltungsrichter vorschnell eine Entscheidung treffen werden. Denn die Bremer Affenversuche sind zum Präzedenzfall geworden.