In Algerien gehen die einen, die anderen kommen. Im vergangenen Monat warf der Dubaier Baukonzern Emaar das Handtuch, die Manager reisten entnervt ab. Zugleich erschien Abu Dhabis Staatsfonds Aabar auf der Bildfläche. Aabar unterzeichnete mit der algerischen Regierung eine Absichtserklärung: Künftig will der Investor im Land Last- und Geländewagen sowie Traktoren und luftgekühlte Motoren bauen. Mit im Boot sind die deutschen Firmen Daimler (an der Aabar sich im März beteiligt hat), Deutz, MAN Ferrostaal, MTU Friedrichshafen und Rheinmetall.

Er sei hocherfreut darüber, "mit der algerischen Regierung und führenden deutschen Technologieunternehmen bei diesem spannenden Projekt zusammenzuarbeiten", ließ Aabar-Chef Khadem Al Qubaisi verkünden, dessen Staatsfonds 70 Prozent an MAN Ferrostaal und 9,1 Prozent an Daimler besitzt. Sein optimistisches Ziel: Schon im kommenden Jahr sollen in der westalgerischen Kleinstadt Tiaret 10.000 Mercedes-Fahrzeuge vom Band laufen, der Kleinbus Sprinter sowie die Geländewagen der G-Klasse und der Allrad-Lkw Unimog.

Zwei weitere Werke entstehen in Ain Smara und Oued Hamimine im Osten des Landes nahe der Stadt Constantine. Hier soll nach den Plänen Aabars auch der Transportpanzer Fuchs gefertigt werden, dessen Lizenz Rheinmetall besitzt. Das gesamte Investitionsvolumen für das ehrgeizige Projekt liegt Recherchen des emiratischen Wirtschaftsblattes Alrroja Alektissadi zufolge bei gut 500 Millionen Euro.

Ähnlich forsch hatte vor zwei Jahren auch der jetzt gescheiterte Immobiliengigant Emaar begonnen: Für 20 Milliarden Dollar wollte der Projektentwickler, der zu Hause am Golf gerade das höchste Gebäude der Welt fertigstellt, Algiers Hauptbahnhof in einen modernen Verkehrsknotenpunkt plus Geschäftsviertel umbauen, an der Küste ein Luxuswohnviertel mit Yachthafen und Einkaufsmeilen errichten sowie eine Medizinische Hochschule und eine Technische Universität schlüsselfertig übergeben.

Anfang 2007 wurden die üblichen Absichtserklärungen unterzeichnet. Im Juli 2008 präsentierte Emaar im Volkspalast der algerischen Hauptstadt die Modelle dem algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika und übergab sie anschließend den Behörden zur Genehmigung. Seitdem ist die Luft raus. "Weil es keinerlei Fortschritte gibt und dies außerhalb der Kontrolle der Firma liegt", habe man sich entschlossen, die Niederlassung in Algier zu schließen, hieß es jetzt in einer knappen Erklärung.

Emaar ist kein Einzelfall. Und Aabar mit seinen deutschen Industriepartnern hat einen harten Weg vor sich. Fachleute schätzen, dass in den Jahren 2006 und 2007 nahezu 4000 ausländische Investoren Algerien den Rücken gekehrt und ihr Geld stattdessen in Tunesien oder Marokko angelegt haben. Als Gründe nennen die Vertriebenen immer die gleichen Missstände: Mangel an geeigneten Grundstücken wegen des restriktiven Bodenrechts für Ausländer, unflexible Bürokratie, sagenhafte Korruption. Hinzu kommt eine wachsende Bedrohung durch Terrorzellen von al-Qaida im Maghreb.

"Wir tun wirklich alles, um die ausländischen Investoren zu verjagen", schrieb die algerische Tageszeitung L’Expression. So wechselte der französische Autohersteller Renault nach drei Jahren ergebnisloser Verhandlungen ins Nachbarland Marokko, weil die algerischen Behörden nicht in der Lage waren, dem Konzern ein geeignetes Grundstück für seine Fabrik anzubieten. US-Investoren klagen zudem über die undurchschaubare Zollpraxis in den Häfen, ein willkürliches Steuersystem sowie "enorme Probleme für Geschäftsleute, ein Visum für Algerien zu bekommen".