Ein Zeltplatz inmitten eines holländischen Naturschutzgebietes: Bäume, staubige Wege und Kabel in allen erdenklichen Längen, Farben und Formen. Das ist kein normales Camperparadies sondern die "Hacking at Random".

Wenn die Sonne langsam hinter den Bäumen verschwindet, katapultieren blinkende Pixellabyrinthe, in Bäumen vibrierende Farbwelten und elektronische Musik die Besucher in ein surreales Paralleluniversum. Es ist exzentrisch, aber es ist weit mehr als nur ein Spiel mit der Technik. Alle vier Jahre treffen sich in den Niederlanden Hacker aus aller Welt unter freiem Himmel, um Wissen auszutauschen. In diesem Jahr ist die Konferenz außerdem der Ort, an dem sich ein internationales politisches Bewusstsein neu formiert.

In fast jedem europäischen Land haben in den letzten Monaten Bewegungen mehr oder weniger erfolgreich gegen staatliche Eingriffe in Kommunikationsstrukturen gekämpft. Überall wurden auf nationaler Ebene Bündnisse geschaffen. Eine starke europäische Kraft aber fehlt bislang. Die jedoch braucht es. Denn es fehlt die Möglichkeit, das Große und Ganze zu sehen. Die Chance, zu verstehen, welche Richtung der Kulturkampf nimmt, in dessen Mitte wir uns befinden.

Jedes Land, das per Gesetz bürgerliche Freiheiten zugunsten von Überwachung und Kontrolle vernichtet, ist Vorbild und Signal, dem andere Staaten folgen. Dem sind wir nur gewachsen, wenn wir unsere Kräfte bündeln, wenn wir schnell und flexibel reagieren und einmal Gelerntes verbreiten und anwenden.

Die HAR 09 war dafür so etwas wie eine Keimzelle. European Digital Rights (Edri) aus Belgien, Bits of Freedom aus den Niederlanden, Wikileaks – das sind nur einige der großen Organisationen, die in die Nähe von Vierhouten gekommen waren. Und die dabei halfen, am 14. August im Anschluss an die Diskussion beim Wikileaks-Panel die internationale Organisation Freedom against Censorship zu gründen.

Das Panel machte deutlich, wie breit gefächert das Thema "Zensur" ist. Vertreter des von Hackern gegründeten Internetanbieters xs4all, des Anonymisierungsnetzwerkes TOR oder auch eine ehemalige Agentin des britischen Geheimdienstes MI5 erläuterten, wie viele Facetten es hat und warum es im Kampf gegen Zensur eine gemeinsame Strategie braucht. So wurde sehr deutlich, dass die Entwicklung, die in Deutschland in den letzten Monaten stattgefunden hat, klare Signale an Regierungen der anderen europäischen Länder sendet, in ähnlicher Weise aktiv zu werden.

Doch ein wichtiges Signal ist auch die Heftigkeit des Widerstandes hierzulande. Es ist etwas in Bewegung geraten. Ein Beispiel dafür ist auch Freedom against Censorship, wird die neue Organisation doch letztlich getragen von Bewegungen, die sich mit dem Thema auf nationaler Ebene auseinandersetzen.