Die gern zitierte Gratiskultur im Internet ist ein Mythos. Denn nur, weil wir nicht mit Geld bezahlen, heißt es nicht, dass die Dinge umsonst sind, die wir bekommen. Wir bezahlen mit privaten Daten. Das beweist derzeit das iPhone. Viele der kleinen kostenlosen Programme für das Apple-Handy sammeln diese Informationen. In der digitalen Welt ist es ganz einfach. Trotzdem war es bisher kaum bekannt. Erstaunlicherweise. Denn die Ergebnisse dieser Sammelwut fanden bereits weltweit Verbreitung, beispielsweise als Berichte darüber, wie lange iPhone-Apps genutzt werden. Die Daten dazu mussten irgendwoher kommen. Darüber, wie sie entstanden, regen sich nun viele Nutzer auf.

Die Empörung trifft eine Firma namens Pinchmedia. Sie stellt ein Programm bereit, das so ähnlich arbeitet wie Google Analytics auf Websites: Eingebaut in iPhone-Apps sammelt es Informationen über Nutzer und Handy und schickt diese zurück an Pinchmedia. Dort erstellt man damit Analysen, um bessere Apps oder Anwendungen bauen zu können. Die Berichte heißen dann beispielsweise "AppStore-Geheimnisse, was wir aus 30 Millionen Downloads gelernt haben" und sind für Entwickler solcher Programme ziemlich nützlich.

Einer von ihnen allerdings behauptete vor Kurzem in seinem Blog, es würden unangenehm viele Daten gesammelt – und das noch dazu ohne ein Einverständnis der Nutzer. Der Einbau der Spionagesoftware sei simpel, schreibt er unter dem Namen "Oth3lo". Einmal aktiviert, würde sie bei jedem Start der App folgende Daten an Pinchmedia senden:

- die Identifikationsnummer des iPhones,
- das Modell, beispielsweise 3G,
- die Version des Betriebssystems,
- den Namen und die Version der Application,
- ob diese geknackt oder illegal geladen wurde,
- ob das iPhone geknackt ist, daher nicht mehr mit Originalsoftware läuft,
- Datum und Uhrzeit, zu der die App gestartet wurde,
- Datum und Uhrzeit, zu der sie beendet wurde,
- den derzeitige Standort des Handys als Geokoordinate,
- das Geschlecht des Nutzers, falls er seinen Facebook-Account mit dem iPhone verknüpft hat,
- sein Geburtsdatum, falls "Facebook Connect" läuft und
- auf diesem Wege auch das Geburtsjahr.

Pinchmedia hat bestätigt, dass man diese Informationen liest. Gleichzeitig schrieb man rasch ins Firmenblog, dass diese Daten "so schnell, wie es uns möglich ist", aggregiert würden. Man verarbeite sie also zu Berichten, in denen ein einzelner Nutzer nicht mehr erkennbar sei.

Das mag stimmen. Doch es sind eine Masse an Hinweisen über einen einzelnen Menschen, die dort erst einmal auflaufen. Zudem kann noch niemand nachvollziehen, welche Programme beim Ausspähen helfen. Eine Liste gibt es nicht. Bekannt wurden bislang nur folgende: AroundMe, Camera Zoom, Car Jack Streets, Discover, Flick Fishing, I can has Cheezeburger, iHandy Level, The Moron Test, Touchgrind, Touch K.O., TouchTerm, Triwolf, Twitterfon (kostenlose Version), Währung. Angesichts der Eigenwerbung, man habe Millionen von Downloads ausgewertet, sind es aber sicher noch mehr. Vermutlich mindestens all jene, die beim Einschalten hartnäckig fragen, ob sie den Standort des Nutzers verwenden dürfen.

Doch Autoren in Blogs und Foren regt zurzeit noch mehr auf: Pinchmedia behauptet, keine Application würde mit dem Sammeln beginnen, ohne vorher den Nutzer darüber aufgeklärt und sein Einverständnis eingeholt zu haben. Das stimmt wohl auch. Bloß erfolgt die Einwilligung auf seltsamem Wege: "Die Daten, die von Pinchmedia gesammelt werden, sind gedeckt durch die Endnutzer-Einverständniserklärung (EULA), der alle Nutzer beim iTunes Shop zustimmen, bevor eine Anwendung installiert werden kann." Wer iTunes verwenden will, muss dieser Erklärung zustimmen. Damit hat er dann aber auch jedes Recht an seinen Daten verwirkt.