Die Französin Clotilde Reiss ist nach mehr als sechs Wochen unter Auflagen aus der Haft entlassen worden. Präsident Nicolas Sarkozy habe mit der jungen Frau telefoniert, es gehe ihr gesundheitlich gut, teilte die Regierung mit. Reiss darf das Land erst nach Prozessende verlassen und wird vorläufig in der französischen Botschaft in Teheran untergebracht.

Reiss war am 1. Juli kurz vor ihrer geplanten Ausreise auf dem Flughafen von Teheran festgenommen worden. Die iranische Regierung wirft ihr Spionage und Unterstützung der Proteste gegen die Wiederwahl des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad vor. Sie hatte Fotos von zwei Demonstrationen gemacht und in E-Mails an Freunde von den Ereignissen nach den Wahlen berichtet.

Sarkozy dankte der Europäischen Union und Syrien für ihre Unterstützung. Er forderte, dass der Prozess gegen Reiss und die franko-iranische Botschaftsmitarbeiterin Nazak Afshar schnellstens eingestellt wird. Das Gerichtsverfahren sei in keiner Weise zu rechtfertigen, betonte der Élysée.

Derweil wurde der Massenprozess gegen die Regierungskritiker fortgesetzt. Insgesamt müssen sich in dem als "Schauprozess" verurteilten Verfahren mehr als 100 Oppositionelle verantworten. Bei den größten Demonstrationen in Iran seit der Revolution von 1979 starben Dutzende Menschen, Tausende wurden vorübergehend eingesperrt. Mindestens 200 von ihnen befinden sich noch in Haft.