Die taz erkennt einen Konflikt zwischen Franck Ribéry und Louis van Gaal: "Diese halbe Stunde, die Ribéry sich nach seiner Einwechslung auf dem Platz vergnügte, hatte genug neue Nahrung für die Zweifel geliefert, ob das ungleiche Gespann wirklich zueinander finden kann. Van Gaal hat den Franzosen ja vom linken Mittelfeld auf die neu geschaffene Planstelle des 10ers versetzt. Doch Ribéry scherte sich nur wenig um die Vorgaben. Er ließ sich allein von seinem Spieltrieb lenken. Van Gaal betont in diesen Tagen zwar, dass er Spielern 'mit besonderer Qualität' durchaus Freiheiten zugestehe. Trotzdem müsse dieser im Rahmen des Systems spielen. Es wird die Hauptaufgabe des Trainers sein, diesen Widerspruch zwischen System- und Individualfußball zu moderieren. Zu überwinden dürfte er nicht sein."

Auch Michael Neudecker (FR) macht Ribérys Rolle im System von van Gaal zum Thema: "Der FC Bayern ist der FC Ribéry, seine Spieler bevorzugen Ribéry auch dann als Anspielpartner, wenn Ribéry gerade gar kein Anspielpartner ist. Van Gaal war wohl auch sauer, dass sich Ribéry nicht an die Idee des Trainers hielt, auf der Position des Spielmachers hinter den Spitzen umherzudribbeln. Es gibt keine Statistik, die aufzeichnete, wie lange Ribéry sich im Zentrum aufhielt, aber nach Gefühl könnte man schätzen: zehn Sekunden. Sobald er auf dem Platz steht, will er nicht mehr die Rautenspitze sein, es zieht ihn nach links, als hätte er Magneten an den Füßen und der Rasen dort drüben den Gegenpol versteckt. Erst kürzlich kündigte van Gaal überraschend an, sein System notfalls umstellen zu wollen, falls der renitente Ribéry in der Praxis nicht als 10 funktioniert. Schon nach den ersten dreißig Minuten Ribérys scheint diese Entscheidung nur noch ein Frage der Zeit."

Bayern gegen Werder war als Spitzenspiel angekündigt, doch Anja Schramm gähnt (Welt): "Die Partie hätte Ribéry gewiss schon von Beginn an gebrauchen können, quasi als Vitaminspritze. Denn der einstige Klassiker, seit Jahrzehnten Garant für Unterhaltung und Torefestivals, war fünfundvierzig Minuten lang ein lauer Sommerkick, in dem Bayern seine Überlegenheit (70 Prozent Ballbesitz) nicht in Tore umsetzen konnte. Dass die Bremer angesichts der 2:3-Auftaktpleite gegen Frankfurt nicht vor Selbstvertrauen strotzen würden, war zu erwarten, aber so zurückhaltend hat man sie lange nicht gesehen. Tatsächlich verstärkten die Bayern nach der Pause ihre Bemühungen, auch wenn sie teilweise mitleiderregend waren.“

Fußball auf Speed

Ralf Lorenzen (taz) sieht beim 4:1 gegen Borussia Dortmund einen Ex-Bayern als neuen Fixpunkt beim HSV: "Noch beeindruckender als die Defensivschwäche der Dortmunder Mannschaft war allerdings die neue Spielkultur des HSV. Die Fans feierten diesen Nachmittag wie eine Wiederauferstehung. Siege gab es auch unter Huub Stevens und Martin Jol, aber diesmal konnten sie tatsächlich stolz sein darauf, wie er zustande kam. Die Hamburger zeigten sich als Mannschaft aus einem Guss, deren Einzelteile perfekt ineinandergriffen. Bruno Labbadia, der im vorigen Jahr auch mit Bayer Leverkusen einen vielversprechenden Start in die Saison hingelegt hat, strich zwar zu Recht die Teamleistung heraus. Dennoch hatten die Anhänger schnell heraus, wer hauptsächlich für den qualitativen Sprung ihrer Mannschaft verantwortlich ist, und feierten bereits nach einer Viertelstunde ihren neuen Liebling Ze Roberto. Wer den 35-jährigen Brasilianer die Fäden ziehen sah, konnte den Ärger von Louis van Gaal nachempfinden, dass die Bayern diesen Mann nicht gehalten hatten."

Vier Tore in der Anfangsphase – Erik Eggers (FR) vermutet Drogen im Spiel: "Die ersten zwölf Minuten waren wie Fußball auf Speed, ungeachtet der hohen Temperaturen im Hamburger Volkspark. Der HSV zeigte danach Klasse, indem er Tempo aus dem Spiel herausnahm und den überforderten Gegner kontrollierte. Auf den Rängen folgten erste Meistergesänge, die Profis des HSV aber hielten sich zurück. Noch ist die Frage nicht beantwortet, wie der HSV in dieser Saison auf einen Rückstand reagiert. Eine Situation, die man vielleicht am Sonntag beim Meister in Wolfsburg klären kann."