Einfach weg, fahren bis zum Horizont. Und dann noch weiter. Swantje Küttner und Arthur Pelchen haben sich diesen Traum verwirklicht: Mit ihrem Wohnmobil sind sie von Berlin aus bis an die Südspitze Afrikas gefahren. Und wieder zurück – gut 44.000 Kilometer Strecke, 37 Länder, ein Jahr Reisezeit. Aus ihren Erlebnissen ist das Buch "Die volle Packung Afrika – ein Jahr mit dem Wohnmobil unterwegs" (ISBN 978-3-9811312-0-8) entstanden.

Die Idee mit der Tour hatten die Öffentlichkeitsarbeiterin und der Umweltmanager schon seit Jahren mit sich herumgetragen. Eigentlich hätte ein Unimog das Mittel der Wahl sein sollen. Aber die geforderten Preise waren dem Paar zu hoch. Dafür fand sich im Internet etwas anderes: ein IFA L60, gebaut in den letzten Tagen der DDR, mit Allradantrieb und Glasfaser-Koffer. Den hatten schon die Vorbesitzer begonnen zum Wohnabteil auszubauen – wegen der auffälligen Farbe tauften Küttner und Pelchen das Gefährt flugs GeU: gelbes Ungetüm.

Dann ging alles ganz schnell: Für den endgültigen afrikagerechten Ausbau wollten sie sich eigentlich zweieinhalb Jahre Zeit nehmen. Doch mit dem Auto in der Garage wuchs die Ungeduld. "Wir haben gesagt, am 23. Dezember um 16.30 Uhr fahren wir los, egal, was bis dahin fertig ist", erinnert sich Küttner. In den sechs Monaten seit dem Kauf hatte GeU unter anderem Zusatztanks erhalten, die das Tankvolumen auf 500 Liter schraubten, außerdem musste Pelchen noch den Lkw-Führerschein machen. Für Sicherheit und Orientierung sollten GPS-Empfänger und Satellitentelefon sorgen, dazu hatten beide einige Reiseerfahrung und Afrika war keine Premiere für sie. Trotzdem sagt Swantje Küttner im Nachhinein: "Ein bisschen Gottvertrauen war dabei" – zumal wegen der kurzen Frist nichts getestet werden konnte.

Und so ging’s los: Die Strecke quer durch Europa wurde – mit maximal Tempo 80 – eher emotionslos abgespult, bis dann der magische Moment kam: "Wenn man in Südspanien am Meer steht und zum ersten Mal Afrika sieht", erinnert sich die Beifahrerin."Und man denkt: Kapstadt ist noch so verdammt weit."

Marokko, Westsahara und Mauretanien: Wer zum Kap der Guten Hoffnung will, muss erst einmal die Wüste hinter sich bringen – und Wissen haben, das in deutschen Fahrschulen nicht vermittelt wird: "Durch den Sand kommt man am Besten, wenn man Luft aus den Reifen ablässt und so die Aufstandsfläche vergrößert", erklärt Pelchen das System. Allrad sei Dank, blieben größere Probleme aber aus. Nur einmal mussten die Sandbleche vom Wagen geholt werden, um ein Hindernis zu überbrücken.

Dafür brachte Mauretanien den Reisenden eins der Highlights der Tour: Auf dem Weg in die Hauptstadt Nouakchott ist der Strand die Straße. 180 Kilometer lang ist die Passage, immer mit den Dünen zur Linken und der Brandung des Atlantiks zur Rechten, befahrbar nur bei Niedrigwasser. Bei der Übernachtung boten sich Ausblicke, die Pauschalreisenden wohl immer versperrt bleiben werden. "Man sagt einfach: Die Düne da ist doch schick, stellt den Wagen mit Blick aufs Meer und ist fertig."

Überhaupt die Straßen! Vom brandneuen Highway in der Mitte von Nirgendwo bis zur fahrwerksmordenden Wellblechpiste war auf der Reise alles dabei. Küttner und Pelchen zeigen Fotos, die das Gelbe Ungetüm in abenteuerlicher Schräglage auf einer Art Feldweg im Dschungel von Angola zeigen, der schmaler zu sein scheint als das Wohnmobil, das ihn befährt.