Obama will den bisherigen Chef der US-Notenbank Ben Bernanke im Amt behalten. Er habe im Umgang mit der schwersten Wirtschaftskrise seit der großen Depression über den Tellerrand geschaut und so den freien Fall der US-Wirtschaft gebremst, sagte ein hochrangiger Vertreter der Regierung am Morgen. Am Nachmittag verkündete Barack Obama auf der Insel Martha's Vineyard in der Nähe von Boston Bernankes Ernennung offiziell. Obama ist dort zurzeit im Urlaub.

In Finanzkreisen gilt Bernanke als beliebt. Seine Wiederernennung war allgemein erwartet worden, allerdings erst zu einen späteren Zeitpunkt. Bernankes erste Amtzeit endet am 31. Januar 2010. Obama bestätige Bernanke bereits jetzt in seinem Amt, um Spekulationen über einen eventuellen Führungswechsel an der Spitze der US-Notenbank zu beenden, sagen Experten.

Zuletzt musste der Chef der Notenbank um seine Wiederernennung fürchten. Grund war seine umstrittene Rolle beim Notverkauf von Merrill Lynch an die Bank of America. Es hatten sich zudem die Stimmen gemehrt, wonach Obama seinem Wirtschaftsberater Lawrence Summers den wichtigen Posten übertragen könnte.

Die vorzeitige Wiederernennung Bernankes werde sich positiv auf die Finanzmärkte auswirken, sagte der Geschäftsführer des New Yorker Finanzunternehmens Zephyr Management, Jim Awad. Bernanke "hat uns vor einer Depression bewahrt, und die Wirtschaft erholt sich".

Bernanke hatte seine vierjährige Amtszeit am 1. Februar 2006 begonnen, als er noch unter Präsident George W. Bush die Nachfolge von Alan Greenspan antrat. Sein Vorgehen gegen die Hypothekenkrise im Sommer 2007 wurde von Vertretern der Wall Street zunächst als zu träge kritisiert. Nachdem sich die Krise zu einer globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ausgeweitet hatte, machte Bernanke eine bessere Figur. Der frühere Wirtschaftsprofessor senkte den Leitzins und setzte eine Vielzahl neuer Instrumentarien ein, um die größte Volkswirtschaft der Welt zu stabilisieren.

Bernanke wurde am 13. Dezember 1953 in Augusta (US-Bundesstaat Georgia) geboren. Er studierte an der Harvard Universität und dem ebenfalls berühmten MIT (Massachusetts-Institut für Technologie) an der US-Ostküste, wo er mit Prädikatsexamen und Promotion abschloss. Nachdem er von 1979 bis 1985 an der Stanford Universität lehrte, erhielt er schließlich einen Ruf an die Princeton Universität. Dort forschte und lehrte er 17 Jahre lang. Der Wirtschaftswissenschaftler beschäftige sich vor allem mit Geldpolitik. Zudem schrieb er drei Bücher über Makroökonomie und war mehrfach Mitglied in Wirtschaftsgremien der Regierung.