Als Sieger fühlen können sich Union und FDP noch nicht, doch das neue Politbarometer unterstreicht den seit Wochen stabilen Trend hin zu Schwarz-Gelb auf Bundesebene. Die Umfrage im Auftrag von ZDF und Tagesspiegel zeigt sogar einen leichten Schub zu Gunsten der CDU/CSU – 41 Prozent in der aktuellen politischen Stimmung (die nichts anderes ist als die ungewichtete Sonntagsfrage), das hat es für die Union seit April nicht mehr gegeben.

Da auch der FDP-Wert mit 13 Prozent hoch bleibt, ist die Stimmung in der Wählerschaft derzeit also günstig für eine Fortsetzung der Kanzlerschaft von CDU-Chefin Angela Merkel in einer anderen Koalition. Darauf deuten auch die Erwartungen der Befragten hin: 66 Prozent gehen davon aus, dass Union und FDP nach der Wahl am 27. September die Regierung bilden werden. Und 44 Prozent halten den Ausgang der Wahl für beschlossene Sache – vor einem Monat waren es noch 35 Prozent.

Freilich sind noch sehr viele Wähler unentschieden: Laut Forschungsgruppe Wahlen wissen derzeit noch 55 Prozent der Bürger nicht, ob und wie sie wählen werden. Das ist fünf Wochen vor der Wahl ein relativ hoher Wert. Noch sind Sommerferien, der Wahltermin ist bei vielen noch gar nicht auf der Agenda.

Der Ausgang der Wahl und vor allem die Koalitionsbildung ist also durchaus noch offen. Von einer beginnenden Aufholjagd der SPD ist allerdings weiter wenig zu spüren, im Gegensatz zu 2005, wo sie fünf Wochen vor dem Wahltag bereits begonnen hatte.

Die Projektion der Forschungsgruppe für das Wahlergebnis am 27. September sieht so aus: Die Union käme auf 37 Prozent, die SPD auf 23, die FDP auf 14, die Grünen könnten mit 12 Prozent rechnen, die Linken mit neun. Das wäre für Schwarz-Gelb eine komfortable Bundestagsmehrheit von 321 der 598 Sitze, zu denen nach Ansicht vieler Fachleute wohl noch einige Überhangmandate für die Union kämen.