Wahlkampfzeit ist Märchenzeit. Im Kampf um die meisten Stimmen versprechen die Parteien viel und reden die Bilanz ihrer bisherigen Regierungszeit schön. ZEIT ONLINE hat deswegen den Lügendetektor ausgepackt. In den kommenden Wochen bis zur Wahl nehmen wir uns regelmäßig zentrale Aussagen der Parteien vor und prüfen sie auf ihren Wahrheitsgehalt. Im ersten Teil unserer Serie beleuchtet Hauke Friederichs das Eigenlob der CDU in Sachen Außenpolitik.

"Wir haben gezeigt, dass wir deutsche Interessen in Europa und der Welt durchsetzen können. Wir haben Vertrauen in der Welt zurückgewonnen und die  Handlungsfähigkeit von Europäischer Union, Nato und Vereinten Nationen gestärkt." 

In Brüssel und Straßburg dürfte diese Aussage aus dem CDU-Wahlprogramm für Kopfschütteln sorgen. Denn im Nato-Hauptquartier in Brüssel und im Europäischen Parlament sind die Verantwortlichen auf die deutsche Regierung nicht besonders gut zu sprechen. Grund für die schlechte Stimmung: Die deutschen Alleingänge. Was die CDU das Durchsetzen deutscher Interessen in der Welt nennt, heißt bei anderen schlicht Egoismus.

Bei der Nato werden die Deutschen hinter vorgehaltener Hand als neue Franzosen bezeichnet, also als Zauderer und Blockierer gebrandmarkt. Berlin habe die frühere Rolle Paris' übernommen und stehe nun für: Bürokratie, Besserwisserei und Blockaden.

Das britische Magazin Economist schlug deswegen vor, einen Deutschen zum neuen Generalsekretär zu machen. Die Nato brauche nicht unbedingt einen Deutschen an der Spitze, die Deutschen aber wohl das Amt, um die Entfremdung zu beenden. Doch der neue Nato-Chef kommt aus Dänemark, das Verhältnis wurde nicht besser.

Der Nato-Insider Michael Rühle schreibt in einem Aufsatz in dem Fachmagazin Internationale Politik, dass die einstige Wertschätzung für den Partner aus Berlin längst in tiefe Sorge umgeschlagen ist. Rühle berät den Nato-Generalsekretär und ist Vize-Leiter des politischen Planungsstabs des Bündnisses.

Für Verärgerung sorgt bei der Nato vor allem die gebetsmühlenartige Beteuerung von Verteidigungsminister Jung (CDU): in Afghanistan herrsche kein Krieg, die Internationale Schutztruppe (Isaf) befinde sich in einem Stabilisierungseinsatz.