Es sieht aus wie Wassereis, aber es brennt wie Zunder. Wenn man sieht, wie sich Methanhydrat in Flammen auflöst, wird klar, welches Potenzial der Stoff für die Energieversorgung hat. Erst recht, seit vor wenigen Jahren Untersuchungen des Untergrunds zeigten, dass der Stoff praktisch weltweit in großen Mengen vorkommt. Schätzungen zufolge könnten mindestens 3000 Milliarden Tonnen Methan gefördert werden. Das ist das Dreifache der weltweiten Erdgasreserven, die in konventionellen Lagerstätten stecken.

Am bekanntesten ist Methan im gasförmigen Zustand – als Hauptbestandteil von Erdgas oder als Treibhausgas, das etwa Kühe vorn und hinten gleichermaßen ausstoßen. Unter den Dauerfrostböden und in Meeressedimenten ist Methan aber auch im festen Zustand zu finden. Dort ist die Temperatur so gering, dass sich eine Hydratstruktur bildet: eine Art Käfig aus Wassermolekülen, in denen ein Methanmolekül gefangen ist. Damit diese Struktur erhalten bleibt, muss der Umgebungsdruck mindestens so groß sein wie in 400 Metern Wassertiefe. Andernfalls zerfällt das Methanhydrat und das energiereiche Eis löst sich in Luft auf.

Noch fehlt die Technik, um den Rohstoff aus der Tiefe zu gewinnen. Unter dem Druck steigender Öl- und Gaspreise sowie der Abhängigkeit von Importen treiben vor allem Nordamerika und Japan die Entwicklungen auf dem Gebiet voran. Auch deutsche Wissenschaftler sind an mehreren Forschungsvorhaben beteiligt. Im Projekt "Sugar" (Submarine Gashydrat-Lagerstätten: Erkundung, Abbau und Transport) wollen sie ein Verfahren entwickeln, bei dem einerseits Methan gewonnen und zugleich das Treibhausgas Kohlendioxid sicher im Meeresboden deponiert werden soll. Mit gut zehn Millionen Euro unterstützt die Bundesregierung das Vorhaben, die beteiligten Firmen bringen knapp drei Millionen Euro auf.

"Im Gegensatz zu Erdgas, das oft in blasenförmigen Strukturen zu finden ist, bildet das Methanhydrat im Sand flache, über viele Kilometer reichende Schichten, die in ihrer Gestalt eher Kohleflözen ähneln", sagt der Sugar-Projektleiter Klaus Wallmann vom Leibniz-Institut IFM-Geomar in Kiel. "Dementsprechend ist die Fördertechnik angepasst, mit der man die Hydrate gewinnen will." Von einem Schiff aus soll ins Sediment gebohrt werden, um das Methan nach oben zu holen. Wenn die Fördermenge abnimmt, wird der Bohrer im Untergrund zur Seite abgelenkt, um die Nachbarregion anzuzapfen. Wenn auch das nichts mehr bringt, soll das ganze Schiff ein Stück weiterrücken und das Procedere von vorn beginnen.

© Gitta Pieper-Meyer/Tagesspiegel

Der Methanabbau kann aber verheerende Auswirkungen auf die Meereswelt haben. Deshalb sollten bestimmte Lagerstätten für die Gewinnung tabu sein, fordern Geowissenschaftler. Dazu gehören Gashydrate, die sich direkt auf dem Meeresgrund befinden, denn sie sind Energielieferanten für sensible Ökosysteme der Tiefsee. Auch die Eislinsen, die an steilen Hängen unter der Wasseroberfläche liegen, sollten nicht angerührt werden, weil das Hydrat dort zur Stabilisierung der lockeren Sedimente beiträgt. Wird es entnommen, könnte ein Teil des Hangs abrutschen. Das ist im Lauf der Erdgeschichte häufiger passiert.