Israel und die USA stehen Berichten zufolge kurz vor einem Kompromiss, der eine Wiederaufnahme der stagnierenden Nahost-Friedensverhandlungen ermöglichen soll. "Meine Regierung hat in Wort und Tat Schritte unternommen, um Fortschritte zu erzielen", sagte Netanjahu in London an der Seite des amerikanischen Nahostgesandten George Mitchell. Mehr war von beiden dazu nicht zu erfahren, denn das Gespräch zwischen Netanjahu und dem Nahostbeauftragten von US-Präsident Barack Obama wurden als "privat" deklariert.

Doch natürlich gibt es Spekulationen. So soll es bei dem Londoner Treffen bereits um Details einer Vereinbarung gegangen sein. Geplant ist, dass Obama im September am Rande der UN-Vollversammlung gemeinsam mit Netanjahu, Palästinenserpräsident Abbas und möglichst vielen hohen Vertretern arabischer Staaten den Neustart von Nahost-Friedensverhandlungen bekannt gibt.

Parallel zu dem Londoner Treffen signalisierten auch Offizielle der Palästinenserregierung, Abbas sei zu einem Treffen mit Netanjahu bereit. Bisher lehnte Abbas dies unter Verweis auf die israelische Siedlungstätigkeit auf Palästinenserland ab. Laut einem optimistischen, auf Quellen in Washington beruhenden Bericht der Londoner Zeitung Guardian, sind die Vorbereitungen wohl schon so weit gediehen, dass sich Frankreich und Russland als Organisatoren der Friedensverhandlungen angeboten haben.

Selbst bei dem heiklen Punkt der israelischen Siedlungen im Westjordanland scheint ein Kompromiss möglich. Allerdings soll es sich bei der gestern zwischen Mitchell und Netanjahu diskutierten "Überbrückungsformel" lediglich um einen Siedlungsstopp Israels für neun bis zwölf Monate handeln, der rund 2500 angefangene Projekte und den arabischen Teil Jerusalems ausschließt. "Jerusalem ist keine Siedlung. Israel wird Beschränkungen seiner Souveränität dort nicht akzeptieren", betonte der Likud-Chef.

Weitere Zugeständnisse des Premiers in dieser Frage gelten als entscheidend für den Durchbruch. Diese Zugeständnisse gibt es allerdings nicht ohne Gegenleistung – und Netanjahus Wunschliste ist lang. So will er von den arabischen Staaten die Überflugrechte für Israels Fluggesellschaft El Al und die vorsichtige Anknüpfung diplomatischer Beziehungen.

Doch entscheidend wird das Verhalten insbesodere der USA gegenüber Israels Erzfeind Iran sein. Netanjahu will von den Amerikanern das Versprechen, eine härtere Linie gegenüber dem Iran und seinem Atomprogramm zu fahren, in dem Israel seine größte Existenzbedrohung sieht. Eine entsprechende Initiative der USA, Frankreich und Großbritannien für den UN-Sicherheitsrat gibt es bereits: Sollte Iran bis September nicht einlenken, wollen sich die drei Länder für verschärfte Wirtschaftssanktionen gegen die Islamische Republik einsetzen, die auch Öl und Ölprodukte einbeziehen und das iranische Regime wirtschaftlich schwer treffen würden.