Zwar verweist Jörg Marwedel in der SZ zunächst darauf, dass Dieter Hecking immerhin der Trainer mit der längsten Dienstzeit bei Hannover 96 geworden ist. Doch der Rest des Textes kommt, wenn auch unter Berufung auf Zeugen, einer Beerdigung gleich. Es kursiert der Vorwurf, Hecking mangele es an der Fähigkeit, mit seinen Spielern zu reden: „Sein alter Beruf als Polizist komme immer wieder durch. Er sei kein moderner Trainer, am liebsten würde er, wie früher, nur Anordnungen geben. Die von Kind verbreitete Version, der Coach habe sich zuletzt positiv verändert, konterte Hecking im NDR selbst: ,Ein Dieter Hecking hat sich nicht verändert.'" Eine Handschrift Heckings auf dem Spielfeld sei nicht erkennbar gewesen, die teuren Einkäufe oft verletzt. Bedenklich sei auch gewesen, dass Hecking über sich hinweg bestimmen ließ, mit welcher Taktik gespielt werde: Im letzten Jahr seien es einflussreiche Spieler gewesen, in diesem Jahr Sportdirektor Schmadtke, die darüber entschieden hätten. Hecking habe das zum Teil sogar eingestanden.

Dass der Wirtschaftsmann Martin Kind dem Trainer, den er lange stützte, nun die Rückendeckung versagt, liegt an einer einfachen Rechnung: „Der Rücktritt hat weniger mit den immer umfassender werdenden Protesten der Fans zu tun (‚Nimm den Hut, Dieter!‘). Die sind an Kind seit Monaten abgeprallt wie an einem Schutzschild, weil ihm das Beispiel Thomas Schaaf vorschwebte. Doch abgesehen davon, dass Hecking kein Schaaf ist, hatten die jüngsten Zahlen den Wirtschaftsmann Kind erheblich aufgeschreckt. Während die anderen Klubs neue Dauerkarten-Bestmarken aufstellten, sind sie bei Hannover 96 um 2000 auf 16.000 gesunken. Dies ist die einzige Sprache, die Kind wirklich versteht. Auch mit Verweigerung kann die Kundschaft einen Trainer vom Hof treiben.“

Christian Otto nimmt im Tagesspiegel den Präsidenten in die Pflicht: "Hecking hat Spieler, Fans und Offizielle von seiner Arbeit zuletzt nicht mehr überzeugen können. Für die Mannschaft, von der ein Großteil unter Hecking nur noch wenig Spaß am Beruf hatte, kam dessen Abgang in seiner Kürze unvermittelt. Bei Kind hatte der Spaß aufgehört, als zum ersten Saisonheimspiel nur 29.000 Zuschauer gekommen waren – und die Mehrheit davon war auch enttäuscht wieder nach Hause geschlichen. Dass Mirko Slomka als Nachfolger in Frage kommt, wird nicht verneint. Der frühere Schalker Coach hat seine Laufbahn als Jugendtrainer bei 96 begonnen und war zuletzt ständiger Gast in Hannovers Arena. Bei der Suche nach einer tragfähigen Lösung wird sich auch der Präsident selbst fragen müssen, warum die Ansprüche in Hannover stets so groß sind und angesichts diverser Entlassungen im Grunde nie richtig Ruhe einkehrt."

In der Welt sieht Bert Klebe keine längerfristige Chance für Interimstrainer Andreas Bergmann: "Dass er bald durch einen Mann mit bekannterem Namen abgelöst wird, ist in Hannover so sicher wie die stete Unzufriedenheit der Fans. Es gibt in der niedersächsischen Landeshauptstadt einen Heißhunger auf großen Fußball und große Namen." Anflüge von Megalomanie werden in Hannover ausgemacht: "Schmadtke ist nicht entgangen, dass es bei Sponsoren, Zuschauern und Medien eine erstaunlich hohe Erwartung gibt, die eigentlich nicht im Einklang mit der Größe der Stadt und vor allem den finanziellen Möglichkeiten steht. Dass es erst ein paar Jahre her ist, als Präsident Kind sogar von der Champions League als Fernziel gesprochen hat, liegt wie ein Fluch über dem Fußball-Standort Hannover."

Unprofessionelles Verhalten

In Karlsruhe sind laut FAZ die Namen Christian Wück, Rudi Bommer und Euro-Eddy Edgar Schmitt als Nachfolger für den entlassenen Edmund Becker im Gespräch. Auch hier hatte offenbar das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer nicht mehr gestimmt. Manager Rolf Dohmen soll den Mannschaftsrat zur Trainerfrage konsultiert haben, der den Daumen gesenkt haben soll. Dieses Votum zusammen mit einem durchwachsenen Saisonstart bedeuteten Beckers Ende in Karlsruhe. Obwohl bereits vollzogen, wirbelt diese Trennung weiter Staub auf: Kritik über eine "unprofessionelle Verhaltensweise" wird aus dem Verwaltungsrat vernommen. Und mit der kommenden Kandidatur von Oliver Kahns Vater Rolf für das Präsidentenamt stehen dem KSC weiter unruhige Zeiten bevor.