Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner legte die Messlatte hoch, als sie Freitagmittag in Düsseldorf das neue Internet-Finanzportal www.verbraucherfinanzwissen.de freischaltete. "Wir wollen Verbrauchern einen Routenplaner an die Hand geben, der sie sicher durch die Finanzwelt führt und ihnen einen zuverlässigen Weg zur gewünschten Geldanlage aufzeigt", versprach die Ministerin. Zu diesem Zweck hat ihr Ministerium sich mit der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zusammengetan. Die Düsseldorfer Finanzexperten erstellten die Inhalte für die neue Beratungsseite, das Ministerium gab das nötige Geld.

Beide Partner sehen Handlungsbedarf: Obwohl Banken im Zuge der Finanzkrise versprochen hätten, die Qualität der Beratung zu verbessern, ließen sich viele Privatkundenbetreuer immer noch zuallererst von der Aussicht auf eine Provision leiten. Oft haben die Banker leichtes Spiel. Viele Kunden sind unsicher und wissen nur wenig über Geldanlage. Die Verbraucherzentrale und die Ministerin wollen das ändern. Zweck des neuen Portals, sagen sie, sei es, die Anleger fit zu machen für das Gespräch mit dem Bankberater.

Ähnliche Informationsangebote haben das bislang nicht vermocht. Der einfache Grund: Die Mehrheit der Bevölkerung möchte sich gar nicht mit der Geldanlage beschäftigen. Das Thema überfordert viele Menschen, ist ihnen unangenehm oder macht ihnen sogar Angst. Deshalb vertrauen sie oft blindlings auf die Angebote ihrer Bank.

Bevor man die Verbraucher informiert, muss man sie also erst einmal für das Thema interessieren. "Die bloße Bereitstellung von Sachinformationen reicht nicht aus", stellen die Macher des neuen Portals zu Recht fest. Gefragt sei ein "interessanter Zugang zur komplexen Materie".

Doch den hat das neue Portal nicht gefunden: Es erschreckt seine Betrachter mit vielen langen Texten. So erfahren die Nutzer zum Beispiel, was bei einem Gespräch mit dem Privatkundenberater der Bank zu beachten ist: Wie kann man sich auf das Gespräch vorbereiten? Woran erkennt man einen seriösen Berater? Wie vermeidet man übereilte Entscheidungen? Außerdem kann man eine Checkliste herunterladen, um sie zum Banktermin mitzunehmen. Das Portal enthält wertvolle Informationen, aber Spaß bereiten sie wohl nur wenigen Lesern. Zumal die Struktur der Seite unausgereift wirkt und die Navigation unübersichtlich ist.

In einer "Tour durch den Depotauszug" erklären die Autoren, wie man den Bestand an Wertpapieren analysiert: Was hat es mit der Wertpapierkennnummer auf sich? Was bedeutet der Hinweis auf die Verwahrart? Warum ist der Wechselkurs bei Anlagen wichtig, die in einer ausländischen Währung notieren?

Noch trockener wird die Materie in der Rubrik "ETFs – die Preis-Leistungs-Sieger unter den Fonds". ETF bedeutet Exchange Traded Funds, zu Deutsch: börsengehandelte Indexfonds. Die Verbraucherschützer erläutern, welche Vorteile diese Fonds im Vergleich zu herkömmlichen Investmentfonds bieten. Doch wie viele Leser haben wohl Lust, eine langwierige Abhandlung über die Funktionsweise der synthetischen Replikation zu lesen?