Nach der Festnahme der Ex-Terroristin Verena Becker wollen Deutschlands ranghöchste Ankläger die Freigabe der bislang gesperrten Geheimdienstakten des Verfassungsschutzes zum Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback einsehen. Die Durchsuchung der Wohnung Beckers habe "eine neue Erkenntnislage" erbracht, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft zur Begründung.

Die Akten wurden vor 27 Jahren bereits der Generalbundesanwaltschaft gezeigt. Vor zwei Jahren beantragte die Behörde erneut Einsicht. Das Bundesinnenministerium lehnt die Freigabe der Akten bislang ab, wird aber den Antrag nach Auskunft eines Sprechers prüfen.

Das Ministerium hatte im Januar 2008 festgelegt, einer Auslieferung der Akten nicht zuzustimmen, weil die Veröffentlichung "dem Wohl des Bundes oder eines deutschen Landes Nachteile bereiten würde".

Die Umstände des von RAF-Terroristen am 7. April 1977 in Karlsruhe verübten Attentats auf Buback und zwei Begleiter sind nach wie vor ungeklärt. Bubacks Sohn Michael sowie Politiker erhoffen sich Hinweise von den geheimen Papieren.

Becker war am Freitagabend in Untersuchungshaft gekommen. Die 57-Jährige soll an dem Anschlag auf Buback im April 1977 in der Karlsruher Innenstadt beteiligt gewesen sein. Die Bundesanwaltschaft wirft Becker vor, "wesentliche Beiträge zur Vorbereitung und Durchführung des Anschlags" geleistet zu haben. Den Anlass für die Festnahme sollen laut Berichten Funde in Beckers Wohnung sowie DNA-Spuren geliefert haben.

Innenpolitiker der Großen Koalition setzten sich bereits für die Freigabe der Akten ein. Zuletzt forderte der innenpolitische Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Papiere "zwingend den Ermittlungsbehörden auszuhändigen", wie er dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte.