Die Landtagswahlen in Saarland, Sachsen und Thüringen sind Geschichte. Der Wähler hat gesprochen und den Parteien große machtpolitische Rätsel aufgegeben. Alle Parteien versuchen nun, die Ergebnisse vom Sonntag in ihrem Sinne zu interpretieren. Zwischen politischer Überzeugung und parteipolitischer Taktik, zwischen Wahlkampf und Machtstrategie lässt sich dabei nicht immer einfach unterscheiden. ZEIT ONLINE beantwortet deshalb die zehn wichtigsten Fragen, die sich aus dem Wahlsonntag ergeben.

1. Ist die Bundestagswahl schon entschieden?

Entschieden ist die Bundestagswahl erst am 27. September um 18 Uhr. Dass die SPD dies betont, könnte man als Zweckoptimismus abtun. Aber auch im bürgerlichen Lager wird dies so gesehen. Union und FDP werden nervös. Der FDP-Generalsekretär Dirk Niebel warnt die Union davor, den Wahlsieg noch zu "vergeigen", auch in der Union gären die Debatten über die Wahlkampfstrategie. Auch die Meinungsforscher verweisen darauf, dass sehr viele Wähler noch unentschieden sind. Zudem legen sich immer mehr Wähler erst kurz vor der Wahl fest. Vor vier Jahren haben rund ein Drittel der Wähler erst in der Woche vor der Wahl entschieden, wo sie ihr Kreuz machen.

2. Hatten die drei Landtagswahlen eine Signalwirkung für den 27. September?

Einerseits nein. Schließlich waren es neben landespolitischen Themen vor allem regionale Besonderheiten, die die so unterschiedlichen Wahlergebnisse beeinflusst haben. Trotzdem wird die Wahlentscheidung in den Ländern immer auch von bundespolitischen Fragen beeinflusst. Und da zeigt sich vor allem zweierlei. Erstens ist die Große Koalition bei den Wählern kein Sympathieträger, die Berliner Regierungsparteien wurden von den Wähler abgestraft. Zweitens ist das Vertrauen der Wähler in das Krisenmanagement der Bundesregierung begrenzt. Vor allem die soziale Kompetenz von CDU, CSU und SPD wird von vielen Wählern gleichermaßen bezweifelt.

3. Kommt jetzt die Trendwende für die SPD?

Das hätte die SPD gerne, dabei geben die nackten Zahlen dies nicht her. Nur in Thüringen hat die Partei zugelegt und dies auch auf bescheidenem Niveau. Aber die Partei lechzt nach einem Signal des Aufbruchs, der die Sommer-Depression vertreibt. So schlecht sind derzeit die Umfragewerte und so knapp ist die Zeit bis zum 27. September, dass die Sozialdemokraten zu jedem Strohhalm greifen. Notfalls müssen statt der ausgebliebenen eigenen Erfolge auch die Niederlagen des politischen Gegners die Hoffnung nähren. Dass dies funktionieren kann, hat zuletzt die Europawahl gezeigt. Dort redeten alle anschließend über das Desaster der SPD und lenkten damit von den starken Verlusten der Union ab.