ZEIT ONLINE: Mögen Sie die Deutschen?

Novak Djokovic: Ja, ich mag sie. Ich sage Ihnen, warum ich sie mag und auch, warum ich sie nicht mag. Sie sind sehr diszipliniert, sehr organisiert, das Land ist wunderschön und sehr sauber. Aber im Unterschied zu den Menschen aus Osteuropa sind die Deutschen ein bisschen distanzierter und kälter. Sie sehen manche Dinge einfach zu ernst.

ZEIT ONLINE: Das ist also typisch deutsch. Was ist denn typisch für Sie?

Djokovic: Ich kann nie lange untätig rumsitzen. Ich muss immer etwas tun, aktiv sein, ich habe einfach viel zu viel Energie. Ich laufe, mache unterschiedliche Sportarten, ich gehe gerne abends aus. Ich liebe das Leben und nutze die guten Möglichkeiten, die es mir bietet. Ich bin sehr offen, sehr kommunikativ. Manchmal ist das vielleicht nicht so gut für meinen Beruf, aber ich kann es nicht ändern. So bin ich nun mal.

ZEIT ONLINE: In der Öffentlichkeit haben Sie inzwischen viele Gesichter: das Sexsymbol, der Entertainer, der Patriot. Wie wollen Sie am liebsten gesehen werden?

Djokovic: Ich weiß, was ich meinem Beruf täglich schuldig bin. Ich bin sehr professionell und widme mich meinem Sport zu 100 Prozent. Aber: Ich sehe Tennis nicht als das Einzige in meinem Leben. Viele meiner Kollegen sind zu verbissen. Tennis ist sehr speziell, da man nur unterwegs ist. Man muss seinen Zeitplan dem Tennis unterwerfen. Aber ich genieße mein Leben. Wo immer ich bin, schaue ich mir die Stadt an, lache mit den Leuten. Ich bin jung und habe viele Interessen, so möchte ich gesehen werden.

ZEIT ONLINE: Aber Sie genießen es besonders, ein Entertainer zu sein.

Djokovic: Klar, ich liebe das.

ZEIT ONLINE: Warum führen Sie Ihre inzwischen schon legendären Spieler-Imitationen nicht mehr auf dem Platz, sondern höchstens noch in TV-Shows vor?

Djokovic: Um ehrlich zu sein: Manche meiner Tenniskollegen mochten es nicht. Und ich wollte keinen Ärger verursachen oder jemanden verletzen. Ich wollte mich über niemanden lustig machen. Ich wollte nur positive Energie verbreiten und die Leute zum Lachen bringen. In Rom bei der Siegerehrung hat Rafael Nadal zu mir gesagt: ‚Komm, mach es. Ich erlaube es.’ Das war wirklich witzig, ihn vor seinen Augen zu parodieren. Er hat sich amüsiert. Wir sind alle professionelle Athleten. Aber manchmal muss man einfach die Regeln brechen, und das gefällt den Fans auch.