Vor zwei Jahren landete die Freie Universität einen Coup. Als Außenseiterin gestartet, kämpfte sie sich im Exzellenzwettbewerb mit acht anderen Unis in den von Bund und Ländern geschaffenen Forschungsolymp. In den nächsten fünf Jahren kann sie zusätzlich 105,4 Millionen Euro ausgeben – eine enorme Summe. Das Geld soll der FU helfen sich so zu wandeln, dass sie in die weltweite Spitzengruppe vordringt, lautet das offizielle Ziel der Exzellenzinitiative. Also ist die FU dabei, sich neu zu erfinden. Um als "internationale Netzwerkuniversität" Erfolg zu haben, verändert sie ihr Innenleben: Neue Gremien und Zentren sollen noch mehr Schwung in die Forschung bringen. Der Umbau der FU findet begeisterte Fans – und Kritiker.

Die Kritiker

Im K-Gang der Rostlaube trennt neuerdings eine verschlossene Glastür einen Trakt ab. Nur wer den Code kennt, kann weitergehen: in die Räume des im Exzellenzwettbewerb eingeworbenen großen Projekts "Languages of Emotion". Gerd W. sieht in der Tür ein Sinnbild für die Entwicklung, die die FU gerade nimmt: Eine gläserne Mauer verläuft zwischen der ersten Klasse, den Exzellenzforschern, und dem Ruderdeck für die nicht mit dem Exzellenzsiegel geprüften Wissenschaftler sowie die Masse der Studierenden.

Die FU als "Exzellenzuniversität": Gerd W., ein seit Jahrzehnten mit der Uni verbundener Kulturwissenschaftler im Pensionierungsalter, kann darüber nichts Gutes sagen. Aus seiner Sicht haben sich die Befürchtungen, die schon im Vorfeld der Exzellenzinitiative bundesweit diskutiert wurden, bestätigt. Nicht nur zwischen den Universitäten kommt es zu einem "Dissoziierungsprozess", trennt eine neue Ordnung die Mehrzahl vermeintlich schwächerer von einer kleinen Zahl angeblich besserer Unis. Die gleiche Auflösung ist innerhalb der im Exzellenzwettbewerb erfolgreichen Hochschulen zu beobachten: Die Uni spaltet sich auf in ein Oben und ein Unten.

An der FU sei die "strukturelle Verachtung der Studierenden mit den Händen zu greifen", meint Gerd W. "Hochnäsige Professoren", denen ihre Erfolge zu Kopf gestiegen seien, zögen sich in closed shops zurück. Ihre Lehrverpflichtungen würfen sie dem wissenschaftlichen Nachwuchs auf die Füße. Sei es früher üblich gewesen, im Treppenhaus zu einem Plausch stehen zu bleiben oder einander neue Rezensionen zuzuschicken, herrsche jetzt Vereinzelung. "Mit fliegenden Rockschößen" eilten die Forscher zu ihren Projekten, ohne Zeit, die Gemeinschaft am Institut zu pflegen oder sich hochschulpolitisch zu engagieren.

Auch andere Wissenschaftler fremdeln. Unlängst bekam der FU-Präsident Besuch von Kritikern. Mehrere im Akademischen Senat (AS) der FU aktive Professoren beklagten sich über "fehlende Transparenz" und "Doppelstrukturen". Der Eindruck ist entstanden, dem AS entgleite die Zukunft der Uni, seit 25 ausgewählte FU-Professoren im neuen "Exzellenzrat" maßgeblich bei der strategischen Entwicklung der Uni mitreden. Zumal der linke "Dienstagskreis" der Professoren wünscht, dass der AS wieder stärker an den Entscheidungen der Uni beteiligt wird, sagt dessen Mitglied Hajo Funke, Politikprofessor. Es gebe einen "Konflikt" mit dem Präsidenten: "Wird zu sehr durchregiert, wird die Komplexität einer Universität zu sehr vereinfacht." Der Präsident habe signalisiert, er sei für Anregungen offen. "Was das dann heißt, werden wir sehen", sagt Funke.