RAF und kein Ende. Auch mehr als drei Jahrzehnte nach dem "Deutschen Herbst" im Jahr 1977 und dem Höhepunkt politisch motivierter Gewalt im Westen der Republik zeigt sich: Die Geschichte des RAF-Terrors ist noch immer nicht völlig aufgeklärt. Die Festnahme von Verena Becker könnte zur Aufklärung einer der größten deutschen politischen Kriminalgeschichten beitragen. Und vielleicht gibt es auch eine Antwort auf die Frage: Wer hat Generalbundesanwalt Siegfried Buback erschossen?

Was ist damals genau passiert?

Am 7. April 1977 werden in Karlsruhe von einem Motorrad aus 15 Schüsse aus einem halbautomatischen Gewehr auf den Generalbundesanwalt und seine Begleiter Wolfgang Göbel und Georg Wurster abgegeben. Die drei sterben. Den Beteiligten gelingt zunächst die Flucht. Die Tat markiert eine Zäsur. Der damals 57-jährige Buback ist das erste Opfer der Roten Armee Fraktion im Terrorjahr 1977. Bevor das Jahr zu Ende geht, sterben unter anderem der Chef der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, und Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer.

Für die RAF war Buback einer der wichtigsten Vertreter ihres Hauptfeindes: der Bundesrepublik. Wer der Todesschütze des "Kommandos Ulrike Meinhof", das sich im Namen der RAF zu der Tat bekannte, war, gehört jedoch zu den nach wir vor unbeantworteten Fragen. Als direkte Tatbeteiligte wurden die RAF-Angehörigen Knut Folkerts, Christian Klar und Günter Sonnenberg verurteilt. Der Ex-Terrorist Peter-Jürgen Boock behauptet jedoch, Stefan Wisniewski sei der Motorrad-Schütze gewesen.

Warum wurde Becker erst nach so vielen Jahren festgenommen?

Becker wurde am Donnerstag verhaftet – allerdings nicht unter dem Verdacht, die Todesschützin zu sein. Die Bundesanwaltschaft begründet den Verdacht mit DNA-Spuren Beckers, die an damaligen Bekennerschreiben der RAF sichergestellt worden seien. Dabei hatte die Untersuchung von DNA-Spuren an einem Motorradhandschuh, einem Helm und einer Motorradjacke der Täter 2008 zunächst ergeben, dass diese nicht von Becker stammen konnten.