Etliche Bau- und Elektromärkte hätten trotz des angestrebten Übergangs auf Energiesparlampen ihre Lagerbestände an 100-Watt-Glühbirnen bis zuletzt randvoll aufgestockt, sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Darauf deuteten Befragungen im August bei Elektro- und Baumärkten, Discountern, Möbelhäusern sowie Super- und Drogeriemärkten hin. Mit diesen Birnen wollten viele Händler über die erste Verbotsstufe des Glühbirnen-Ausstiegs hinaus noch Kasse machen.

Am 1. September beginnt die erste Stufe des EU-weiten Glühlampen-Ausstiegs. Damit sollen matte und klare Glühlampen mit einer Leistung von mehr als 75 Watt vom Markt verschwinden. Ziel ist es den Energieverbrauch zu drosseln, um Europas Klimaziele zu erreichen. In einer weiteren Stufe sollen dann die restlichen Glühbirnen bis 2012 und der Großteil der Halogenlampen im Jahr 2016 vom Markt genommen werden. Energieeffiziente Beleuchtungstechnik soll den EU-Plänen zufolge bis 2020 europaweit 39 Terawattstunden Energie sparen. Das entspricht der Leistung von vier großen Atomkraftwerken.

Von den 71 der DUH angeschriebenen Unternehmen antworteten 38, wie der Umweltverband mitteilte. Drei große Unternehmen wie das Möbelhaus Ikea und die Versandhäuser Otto und Schwab hätten wissen lassen, sie wollten die betroffenen Glühlampen mit dem 1. September aus dem Sortiment nehmen. Vier von den 38 Firmen führten diese Glühbirnen laut DUH nicht.

Die meisten Unternehmen, die auf die Befragung antworteten, wollen ihre Lagerbestände noch verkaufen, sagte Resch. Einige Unternehmen berufen sich laut DUH auf die Position des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels HDE, der betone, es sei völlig legal, alte Glühlampen weiter zu verkaufen. Die EU-Verordnung sieht dagegen vor, dass die Lampen nicht mehr "in den Verkehr gebracht" werden dürfen.

Resch forderte die Behörden auf, "angesichts der weit verbreiteten Unwilligkeit beim praktischen Klimaschutz für den Vollzug der Umweltauflagen zu sorgen". Der Naturschutzbund (Nabu) begrüßte die EU-weiten Bestimmungen. "Wer seine eigenen vier Wände künftig mit Energiesparlampen statt Glühbirnen beleuchtet, braucht für die gleiche Lichtmenge nur ein Fünftel des Stroms", sagte Nabu-Geschäftsführer Leif Miller. Vereinfacht werden müsse jedoch auch die Rückgabe ausgedienter Energiesparlampen. Deren Quecksilber-Anteile dürften nicht im normalen Hausmüll landen. "Geschäfte, die Energiesparlampen verkaufen, sollten Altlampen kostenfrei auch wieder zurücknehmen, wie dies bei Batterien längst üblich ist", forderte Miller.

Doch auch die deutschen Verbraucher stehen der Abschaffung der Glühbirne skeptische gegenüber. Denn Energiesparlampe sind etwa zehn Mal so teuer. Das Licht könne den menschlichen Biorhythmus durcheinanderbringen, warnten jüngst Forscher der Berliner Charité.

Unter den EU-Bürgern bevorzugen vor allem die Deutschen Glühlampen. Während der Umsatz mit Glühbirnen in ganz Europa stark zurückgeht, berichtet der Hersteller Osram in Deutschland und Österreich von steigenden Erlösen. Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung zufolge ist der Absatz um etwa 35 Prozent gestiegen.