Bis Ende Juli habe die sogenannte Kernkapitalquote dank zahlreicher Kapitalspritzen des Eigentümers Lone Star zwar bei 10,2 Prozent gelegen, sagte IKB-Chef Hans Jörg Schüttler auf der Hauptversammlung. "Die kommenden Geschäftsjahre werden jedoch noch erheblich durch die Folgewirkungen der Finanzmarktkrise und der Rezession beeinträchtigt werden." Daher könnte eine erneute Finanzspritze nötig sein, um die vom Bankenrettungsfonds Soffin geforderte Kernkapitalquote von mindestens acht Prozent einhalten zu können.

Der Bankenrettungsfond hat der IKB für die Ausgabe neuer Anleihen Garantien von insgesamt zwölf Milliarden Euro gewährt. Nach internationalen Bilanzvorschriften muss die Kernkapitalquote mindestens vier Prozent betragen, also vier Prozent des Kreditvolumens durch Eigenkapital gedeckt sein. Als Richtwert für eine gesunde Bankbilanz gilt eine Kernkapitalquote von mindestens sieben Prozent.

Dank der Milliardenhilfen und des Abbaus von Risikopositionen schreibt die IKB mittlerweile wieder schwarze Zahlen. Das verbleibende Risiko aus den Portfolioinvestments sei klar begrenzt, betonte Schüttler. Eine Nutzung der staatlichen "Bad Bank" zur rettenden Bereinigung von belasteten Bankbilanzen sei kein Thema.

Neuer Ärger droht der Düsseldorfer Bank jedoch durch Milliardenklagen und eine mögliche Sonderprüfung der existenzbedrohenden Krise. Wie am Dienstag bekannt wurde, verklagt die französische Bank Calyon die IKB in London auf Schadenersatz von knapp 1,7 Milliarden Dollar. Sollte sie damit Erfolg haben, müsste am Ende der deutsche Staat wieder einspringen. Die KfW hatte beim Verkauf der IKB vereinbart, Klagerisiken in einer bestimmten Höhe zu übernehmen. Schüttler zufolge erwartet die Mittelstandsbank keine "wesentlichen Auswirkungen" möglicher Klagerisiken auf das Ergebnis des Instituts.

Das Landgericht Düsseldorf bestellte am Mittwoch auf Antrag von Aktionären einen Wirtschaftsprüfer, der untersuchen soll, ob Vorstand und Aufsichtsräte der IKB ihre Pflichten verletzt haben. Die IKB prüft, die Entscheidung anzufechten. Damit könnte die Prüfung erneut gestoppt werden. Lone Star hatte bei einer außerplanmäßigen Hauptversammlung im März den Sonderprüfer Harald Ring abgesetzt und sich damit heftige Kritik eingefangen. Der Investor begründet dies damit, dass man Nachteile für die Bank durch mögliche Klagen auf Basis der Berichte verhindern wolle. An dieser Haltung habe sich nichts geändert, sagte Schüttler. "Auch unbegründete Forderungen können eine Gefährdung der Gesellschaft bedeuten."

Die IKB hatte sich in großem Stil mit US-Ramschhypotheken verspekuliert und war als erstes deutsches Institut Mitte 2007 mit der Finanzkrise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Nur Milliardengelder des Bundes und ihrer damaligen Großaktionärin, der staatlichen Förderbank KfW, konnten sie vor dem Zusammenbruch retten. Der Finanzinvestor Lone Star kaufte die IKB im Herbst 2008 für rund 150 Millionen Euro und verordnete ihr eine strenge Schrumpfkur.