Die Demokratische Partei Japans (DPJ) unter Yukio Hatoyama hat bei der Wahl zum Unterhaus einen haushohen Sieg über die regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) von Ministerpräsident Taro Aso errungen, wie der Fernsehsender NHK nach Schließung der Wahllokale auf Basis von Wählerbefragungen berichtete.

Der 62-jährige Hatoyama würde damit Aso als Regierungschef ablösen und die seit mehr als einem halben Jahrhundert fast ununterbrochen andauernde Macht der LDP beenden.

Die DPJ ist die bislang größte Oppositionspartei. Sie setzt sich aus LDP-Überläufern, Sozialdemokraten und Ex-Gewerkschaftern zusammen. Hatoyama, der aus einer Politikerdynastie stammt, gilt als Hoffnungsträger der DPJ. Er versprach, die bisherige von "Bürokraten geführte unverantwortliche Politik" zu beenden. Die Opposition will nach einem Sieg, das Kindergeld erhöhen, die Gebühren für höhere Schulen und Autobahnen abschaffen und den Bauern ein Mindesteinkommen sichern.

Die 1955 gegründete LDP hatte Japan nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg zu Wohlstand und Stabilität geführt. 2005 hatte sie dank der Popularität des damaligen Partei- und Regierungschefs Junichiro Koizumi noch einen hohen Sieg errungen und gewann mehr als 300 der 480 Sitze. Doch heute könnte sich das Stimmenverhältnis zugunsten der oppositionellen Demokraten umkehren.

Die Zeit hoher Wachstumsraten ist vorbei. Die Exportnation wurde von der wirtschaftlichen Krise stark getroffen. Die Arbeitslosenquote ist im Juli mit 5,7 Prozent auf den höchsten Stand der Nachkriegszeit gestiegen, jeder dritte Arbeitsplatz ist zeitlich befristet. Viele Bürger werfen der LDP Missmanagement vor und geben ihr die Schuld an Japans Stagnation.