Wie geht’s nun weiter in Erfurt? Als Sieger des Wahlabends ließ sich gestern die SPD feiern. Ihr Parteichef Christoph Matschie fuhr mit einer weißen Limousine vor den Landtag. Wie ein künftiges Regentenpaar wurden er und seine Frau von Dutzenden Journalisten umlagert.

Matschie sagte zwar wenig Konkretes. Gleichwohl feierten ihn seine Anhänger als künftigen Regierungschef. Bundesparteichef Franz Müntefering bekräftigte dies am Montag in Berlin, als er sagte, die SPD erhebe in Thüringen Anspruch auf das Ministerpräsidentenamt.

Eine Formulierung, die die Linke in Thüringen zur Weißglut bringt. Sie hat fast neun Prozentpunkte mehr geholt als die SPD, warum sollte sie da zugunsten der SPD auf das Amt des Ministerpräsidenten verzichten?

Die Sozialdemokraten begründen ihren Machtanspruch mit ihrer günstigen Ausgangslage: Zwar wurden sie nur drittstärkste Kraft, aber gleichzeitig die einzige Partei, die nun zwei Machtoptionen zur Wahl hat. Sie kann entscheiden, wer künftig regiert: eine Große Koalition oder ein rot-rotes Bündnis.

Diesen Verhandlungsvorsprung will die SPD so lange wie möglich beibehalten. Am Montag nach der Wahl fährt sie öffentlich nun erst mal einen Entschleunigungskurs. Matthias Machnig, Matschies Superschattenminister, sagt am Montagmorgen ZEIT ONLINE, dass seine Partei nun "in aller Ruhe" die Lage analysieren werde. Man warte ab, welche Einladungen zu Sondierungsgesprächen ins Haus flattern.

Angeblich geht die SPD "völlig ergebnisoffen" in die Verhandlungen, so Machnig. Zwei Fragen seien grundlegend: "Mit wem ist ein Politikwechsel am realistischsten?" Das klingt nach Linke. Sie hat ein ähnliches Programm wie die SPD. Frage zwei: "Mit wem schafft man eine verlässliche Basis für eine Koalition, die fünf Jahre halten soll?" Das wiederum klingt eher nach der CDU, mit der man schon einmal die Macht in Thüringen teilte. 

Allerdings hat die SPD nicht nur mit dem Linken-Chef Ramelow ihre Probleme, sondern auch mit CDU-Chef Dieter Althaus. Das "System Althaus" sei abgewählt, rief Matschie gestern auf der Wahlparty seinen kreischenden Genossen zu. Zwar wird Althaus' Verzicht (anders als Ramelows) nicht explizit gefordert. Es wäre aber der Basis schon schwer zu erklären, würde die SPD letztlich den Mann zum Regierungschef wählen, gegen den sie fokussiert ihren Wahlkampf gerichtet hatte.