Im September 2008 war Olmert wegen des Verdachts auf Korruption zurückgetreten. Nun hat die Staatsanwaltschaft in Jerusalem Anklage wegen Korruption in drei Fällen erhoben. Der frühere Regierungschef sei wegen Betrugs, Vertrauensbruchs und dem Versäumnis, seine Einkünfte anzugeben, angeklagt worden, teilte das israelische Justizministerium mit. 

Der 63 Jahre alte Ex-Vorsitzende der Regierungspartei Kadima muss sich demnach unter anderem wegen der illegalen Annahme von Spendengeldern, der doppelten Abrechnung von Reisekosten sowie der Bevorzugung von Geschäftspartnern verantworten. Olmert weist die Vorwürfe zurück, die auf seine Zeit als Bürgermeister von Jerusalem sowie Industrie- und Handelsminister zurückgehen.

Olmert war von Januar 2006 bis zum 31. März dieses Jahres Ministerpräsident in Israel. Im September 2008 hatte er wegen der Korruptionsvorwürfe und der drohenden Anklage sein Amt als Parteivorsitzender zur Verfügung stellen müssen. Er blieb aber bis zur Bildung einer neuer Regierung nach der Wahl im Februar im Amt. Sein Nachfolger ist der Rechtskonservative Benjamin Netanjahu.

Die drei mutmaßlichen Korruptionsfälle gehen nach Angaben der Anklage auf Olmerts Amtszeit als Bürgermeister von Jerusalem, von 1993 bis 2003, sowie als Industrie- und Handelsminister, von 2003 bis 2006, zurück. Die Staatsanwaltschaft wirft Olmert vor, in der sogenannten Briefumschlag-Affäre über einen Zeitraum von 15 Jahren illegal 150.000 US-Dollar, umgerechnet 105.000 Euro, vom US-Unternehmer und Spendensammler Morris Mosche Talansky angenommen zu haben.

In der Reisebüro-Affäre soll Olmert 85.000 Dollar, das entspricht 66.000 Euro, Gewinn gemacht haben, indem er während seiner Zeit als Industrie- und Handelsminister Reisen mehrfach beantragt haben soll. Die Spesen habe er dann sowohl bei staatlichen Stellen als auch öffentlichen Einrichtungen wie beispielsweise der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem abgerechnet. In der Investmentcenter-Affäre soll Olmert eine Firma eines Geschäftspartners bevorzugt haben.