Deutlich zuversichtlicher als zuletzt ist die SPD in die heiße Phase des Bundestagswahlkampfs gestartet. Sie büßten zwar an Stimmen ein, doch nach den Landtagswahlen in Thüringen und im Saarland könnten die Genossen Regierungsämter übernehmen. Noch ist nichts entschieden. An der Saar etwa wartet die SPD auf das Votum der Grünen, die sich sowohl einer Jamaika- als auch einer rot-rot-grünen Koalition anschließen könnten und damit der entscheidende Machtfaktor sind.

In Thüringen ist die Situation gleichwohl komplizierter. Mit der Bildung einer rot-roten Koalition wäre die Abwahl von Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) möglich, allerdings müssten sich Linkspartei und SPD auf einen gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Regierungschefs einigen. Dies scheint derzeit ausgeschlossen.

So weigern sich Thüringens Sozialdemokraten, einen Linken zum Ministerpräsidenten zu wählen. "Die Linke hat einen Grundsatzkonflikt nicht geklärt", sagte der SPD-Landeschef, Christoph Matschie. "Soll sie Fundamentalopposition sein oder will sie Regierungsverantwortung?" Seine Partei werde deshalb mit allen Parteien und "ohne Vorfestlegung" über eine Regierungsbildung reden. "Wir gehen nicht mit einer Präferenz in die Sondierungsgespräche."

Matschie will selbst Regierungschef werden – obwohl die SPD bei der Wahl nur den dritten Rang belegte und rund neun Prozentpunkte hinter der Linkspartei liegt. Damit sorgen die Genossen für Empörung in der thüringischen Linkspartei. Deren Bundesgeschäftsführer, Dietmar Bartsch, hat eine Wahl von Matschie zum Thüringer Ministerpräsidenten denn auch kategorisch ausgeschlossen. "Wir sind mit dem Spitzenkandidaten Bodo Ramelow angetreten. Es wird sich jedenfalls nicht so auflösen, wie vielleicht jemand in der SPD denkt, dass wir Herrn Matschie wählen. Das ist völlig ausgeschlossen." Da die SPD weniger Stimmen als die Linkspartei erhalten hatte, wäre dies "ein Kuriosum, das es bisher noch nicht gegeben hat", so Bartsch, "und das wird es mit uns nicht geben". Er fügte hinzu: "Das ist völlig absurd."

Nicht nur in den Ländern, auch auf Bundesebene könnte die Debatte um mögliche rot-rote Bündnisse wieder aufflammen. Dafür sorgt diesmal nicht die frühere hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti, sondern der SPD-Linke und mögliche Arbeitsminister im Saarland, Ottmar Schreiner. Er hat sich gegenüber der Bild-Zeitung auch auf Bundesebene für Links-Koalitionen ausgesprochen. "Wenn ein Linksbündnis im Saarland zustande kommt, wird das auch helfen, die Hürden im Bund dafür irgendwann zu nehmen." Die Hindernisse dafür seien "nicht unüberwindbar". Es müsse dafür weitere programmatische Annäherungen geben, aber "schon jetzt sprechen wir zum Beispiel in Sachen Mindestlohn die gleiche Sprache".

Diese Äußerungen kommen der CDU gelegen. Zwar hat sie eine explizite Rote-Socken-Kampagne ausgeschlossen, doch ganz können sich die Parteioberen die Seitenhiebe auf den politischen Gegner nicht verkneifen. Hessens Ministerpräsident Roland Koch sagte, SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier werde "den Verlockungen der Macht nicht widerstehen", wenn er die Chance auf ein Bündnis mit der Linkspartei habe. Darauf werde die Union auch verstärkt hinweisen: "Wir trauen Steinmeier nicht, denn wir fürchten, dass das Ypsilanti-Gen auch in der Bundespartei steckt."

Auch sein niedersächsischer Amtskollege Christian Wulff will in den verbleibenden vier Wochen vor allem mit Warnungen vor der Partei von Oskar Lafontaine Wahlkampf machen. "Die CDU muss sich stärker als bislang mit der Linkspartei von heute auseinandersetzen", sagte er dem Handelsblatt. "Wo sie, wie in Berlin, regiert, ist die wirtschaftliche Lage verheerend". Man müsse nicht die DDR-Vergangenheit bemühen, um die Linke zu stellen, sondern auf ihre Bilanz in Landesregierungen verweisen.

Ziel der Union müsse es sein, SPD und Grüne für eine klare Abgrenzung zur Linkspartei zu gewinnen, erklärte Wulff. "Die vordringlichste Aufgabe der CDU ist es, SPD und Grüne dafür zu gewinnen, sich nicht von der Linken ins Boot ziehen zu lassen, weil es um Wachstum und Arbeitsplätze geht. Dies schafft man nicht mit links", sagte Niedersachsens Regierungschef. "Das ist kein neuer Akzent für unseren Wahlkampf, im Gegenteil: So denken wir unsere Strategie für Wachstum und Arbeitsplätze folgerichtig weiter", sagte der stellvertretende CDU-Chef.

Für Zuversicht dürften bei der Union die Ereignisse in Sachsen sorgen. Dort werden CDU und FDP an diesem Dienstag ihre Koalitionsverhandlungen aufnehmen. Beide Landesvorstände hatten dem am Vorabend zugestimmt. CDU-Ministerpräsident Stanislaw Tillich entschied sich für die Liberalen als Regierungspartner, weil es aus seiner Sicht mit ihnen die größten politischen Übereinstimmungen gibt. Zudem seien nach dem Rücktritt von SPD-Vorsitzendem Thomas Jurk keine verbindlichen Gespräche mit dem bisherigen Koalitionspartner mehr möglich.