Der Vorsitzenden der Menschenrechtsorganisation Memorial, Oleg Orlow, habe gesagt, der tschetschenische Präsident Ramsan Kadirow habe die Ermordung ihrer Mitarbeiterin Natalja Estemirowa angeordnet. Wegen der Aussage hat Kadirow die Gruppe verklagt.

Natalja Estemirowa war am 15. Juli in der russischen Republik entführt und später erschossen im benachbarten Inguschetien aufgefunden worden. Der Fall löste weltweit Empörung aus. Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew verlangte von Kadirow öffentlich, die Verantwortlichen zu finden und zu bestrafen.

Kadirows Anwalt sagte am Montag der Nachrichtenagentur RIA, der Präsident verlange von dem Vorsitzenden der Gruppe Memorial, Oleg Orlow, einen Widerruf und zehn Millionen Rubel, das entspricht etwa 220.000 Euro Schmerzensgeld. Orlows Anwalt sagte Reuters TV, es habe sich um eine reine Meinungsäußerung gehandelt. Die Klage sei ein Angriff auf die Meinungsfreiheit.

Die Organisation Memorial hatte 2004 den Alternativen Nobelpreis verliehen bekommen. Die Stiftung bemüht sich um eine Aufarbeitung des Stalinismus und setzt sich für die Einhaltung der Menschenrechte unter anderem in Tschetschenien ein.