Minus 13 Prozentpunkte im Saarland und minus elf Prozentpunkte in Thüringen: Mit diesen enormen Einbußen aus zwei der drei Landtagswahlen – in Sachsen ist und bleibt CDU-Politiker Stanislaw Tillich Ministerpräsident – startet die Union in die letzte Wahlkampfphase. Lange galt ihr Sieg als unabwendbar. Dies gelang auch deshalb, weil Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel die Reihen geschlossen hielt und sich weitgehend aus den Parteistreitigkeiten herausgehalten hatte.

Damit soll nun Schluss sein – zumindest fordern dies einige Unionspolitiker. Sie wollen eine aggressivere Wahlkämpferin Merkel sehen und ein besseres Konzept für mehr Wirtschaftswachstum in Deutschland. Moniert wird auch das bislang ausgebliebene deutliche und eindeutige Bekenntnis zu einer Koalition mit der FDP.

Die deutlichsten Worte findet Josef Schlarmann aus der Wirtschaftsecke der Union. "Der bisherige Wahlkampf ist inhaltlich profillos", sagte der Chef der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung der Financial Times Deutschland und gab der Kanzlerin eine Mitschuld an den schwachen Wahlergebnissen. "Frau Merkel hat ihre Kampagne vorrangig auf sich selbst zugeschnitten." Und weiter: "Bisher ist es nicht gelungen, den Menschen klarzumachen, wie die Union das Land schnell aus der Krise führen will." Deshalb verlangt er nun ein klares Wachstumskonzept, vermutet aber, Merkel werde "strittige Sachfragen weiterhin aussparen". 

Ähnlich äußerte sich der CSU-Europaabgeordnete Manfred Weber. "Merkel muss jetzt mehr zuspitzen und unsere inhaltlichen Positionen deutlicher machen", sagte er am Montag. Die Kanzlerin müsse sich auch "klarer zum politischen Gegner abgrenzen". Webers Parteifreund Peter Ramsauer sieht hingegen keinen Grund für einen Strategiewechsel. Die SPD liege in Thüringen und Sachsen schließlich "meilenweit" hinter der Linkspartei, sagte der CSU-Landesgruppenchef. "Es wird für die SPD nicht zur Mobilisierung kommen."

Auch CSU-Chef Horst Seehofer plädiert für ein "klares inhaltliches Profil" der Union. Es habe sich gezeigt, dass die Bundestagswahl noch längst nicht gewonnen sei. Die Union müsse zwar mit Besonnenheit, aber auch mit "Vollgas" in die nächsten vier Wochen bis zur Wahl gehen. Seehofer betonte zugleich, er habe bereits mit der Merkel über das Ergebnis der Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und dem Saarland gesprochen. Man stimme sowohl in der Analyse als auch in der Vorgehensweise überein.

Rückendeckung bekommt Merkel auch von den CDU-Ministerpräsidenten Chistian Wulff (Niedersachsen), Roland Koch (Hessen) und Jürgen Rüttgers (Nordrhein-Westfalen). Alle drei lehnen einen aggressiven Wahlkampf ab und warnen vor einer innerparteilichen Strategiedebatte. "Das Rennen ist noch offen", sagte Wulff am Montag vor dem Beginn der Präsidiumssitzung. Zugleich forderte er: "All die, die wollen, dass Angela Merkel Kanzlerin bleibt, müssen jetzt noch aktiver etwas dafür tun." Die hohen Sympathiewerte der Kanzlerin müssten in Wählerstimmen umgewandelt werden. Roland Koch nannte das Wahlergebnis einen "Weckruf".

Einig ist er sich dabei mit Bundestagsfraktionsvize Wolfgang Bosbach, der die Union allerdings vor hektischen Kurskorrekturen warnte. "Aber es ist ein Weckruf für alle, die in der Union bislang geglaubt haben, dass der Wahlsieg am 27. September selbstverständlich sei". Das Bundestagswahl-Ziel sei unverändert – trotz der Ergebnisse vom Sonntag, nach denen es nur in Sachsen für Schwarz-Gelb reicht. "Wie streben eine schwarz-gelbe Koalition an.". Aber sowohl CDU/CSU als auch FDP müssten sich "glasklar" dazu bekennen.