Die Provokation war genau kalkuliert. Als Mahmud Ahmadineschad letzten Sonntag das Plenum des iranischen Parlaments betrat, um sein neues Kabinett zu präsentieren, kam er nicht alleine. Zwei Leibwächter begleiteten ihn, die dann vorne rechts und links neben ihm Platz nahmen – kein anderer Präsident der Islamischen Republik hat so etwas jemals getan. Erst als Abgeordnete lautstark protestierten und Parlamentspräsident Ali Laridschani den Besucher belehrte, hier sei das Haus des Volkes und ein sicherer Ort, schickte Ahmadineschad die bewaffneten Männer fort.

Mahmud Ahmadineschad fühlt sich im Abgeordnetenhaus seines Landes auf feindlichem Terrain, obwohl 220 der 290 Volksvertreter wie er dem konservativen Lager angehören. Dagegen inszenierte er sich demonstrativ mit der Aura eines Regierungschefs, der seine eigenen Rechnungen macht, der niemanden um etwas bitten muss und der gegen Kritik genauso immun ist wie gegen politische Ratschläge. Seine Ministerliste hatte er den Parlamentariern zuvor via Fernsehen und Zeitung zukommen lassen. Und sollte das hohe Haus vorhaben, ihm gleich zu Beginn kräftig die Flügel zu stutzen, so lautete die Botschaft, dann sei er zum Kampf bereit.

Das zeigte Wirkung. Zwar ließen die Parlamentarier in den fünf Tagen Anhörung gegenüber den 21 designierten Ministerinnen und Ministern kräftigt Dampf ab, gaben am Ende aber fast allen grünes Licht. Die Mehrzahl seiner Minister sei unfähig, fachlich unter Niveau und ergebene Jasager, schallte es dem umstrittenen Präsidenten in der stürmischen Debatte entgegen. Der Ölminister habe keine Ahnung vom Geschäft, der Innenminister als ehemaliger General stehe dafür, dass die politische Atmosphäre im Lande immer militärischer werde – eine kaum verhüllte Warnung vor einem kalten Putsch durch Revolutionäre Garden und Armee. Und der neue Wissenschaftsminister werde die Emotionen im Volk erneut anheizen, weil er als vormaliger Chef der Wahlkommission bis zum Hals in die Manipulationen am 12. Juni verwickelt ist.

"Ohne Beispiel" nannten selbst konservative Blätter die politischen Attacken auf die neue Regierungsmannschaft. Doch am Ende kniff das Parlament. Nicht einmal zu einem kräftigen Schuss vor den Bug von Ahmadineschad konnte es sich durchringen. Zwei der drei Frauenkandidaten aus dem Kabinett zu werfen war nur ein billiger Schachzug – wusste man dabei auch weite Teile der regimekritischen Geistlichkeit hinter sich. Und die kleine Scharte mit dem durchgefallenen Energieminister lässt sich ohne Probleme auswetzen.

Die dritte Kandidatin nahm das Parlament an. Bei ihrer Befragung am Dienstag machte Marzieh Vahid Dastjerdi eine gute Figur. "Wir brauchen eine größere Rolle für Frauen in den Geschicken des Landes", belehrte die 50-Jährige in traditionellen schwarzen Schador die 290 Angeordneten. Dann legte die dem Hohen Haus ihre Pläne für die nächsten vier Jahre auseinander, versprach, mehr für die Gesundheit von Frauen zu tun, die staatliche Krankenversicherung auszubauen sowie zusätzliche Gesundheitsstationen in Dörfern und Armenvierteln am Rande der Städte einzurichten.

Am Ende votierte die Mehrheit der Volksvertreter für die gelernte Frauenärztin und installierte sie als erste weibliche Ministerin in der Geschichte der Islamischen Republik. "Dies ist ein wichtiger Schritt für Frauen, und ich halte stolz meinen Kopf aufrecht", kommentierte sie das Ergebnis. Denn in Iran sind zwar 60 Prozent aller Studenten weiblich, aber nur 15 Prozent aller Arbeitsplätze sind von Frauen besetzt.

Zuvor hat es bislang nur einmal eine Frau bis zum Kabinettsrang geschafft: Massoumeh Ebtekar war Vizepräsidentin und zuständig für Umweltpolitik unter dem Reformpräsidenten Mohammed Chatami. Die letzte echte weibliche Ministerin arbeitete in der Schahzeit. Farrokhroo Parsay führte in den siebziger Jahren das Erziehungsressort und wurde 1979 kurz nach der islamischen Revolution wegen Korruption verurteilt und hingerichtet.